Meine Reise
Du glaubst immer noch, das sei Zufall, oder?
Meine Reisen führten mich zu verschiedenen Orten dieser Welt – zu Menschen, die mit der geistigen Welt auf eine ganz natürliche Weise verbunden sind. Besonders prägend waren Begegnungen mit indigenen Kulturen, in denen Spiritualität kein Konzept ist, sondern gelebte Realität. Dort durfte ich erfahren, was es bedeutet, in Verbindung zu sein – mit der Erde, mit dem Leben und mit den unsichtbaren Ebenen dahinter. Einige dieser Begegnungen waren so tief, dass sie mein gesamtes Wahrnehmen verändert haben. Momente, in denen Zeit und Verstand in den Hintergrund traten und nur noch ein stilles, klares Wissen blieb.
Man könnte sagen, diese Geschichte beginnt mit einer Frau. Das wäre allerdings nur die halbe Wahrheit.
Denn wenn ich ganz ehrlich bin – und Drachen haben bekanntlich wenig Geduld für halbe Wahrheiten – beginnt diese Geschichte eigentlich mit mir.
Ich bin der rosa Drache.
Ja, genau. Ein Drache.
Und bevor du jetzt anfängst, an deiner Wahrnehmung zu zweifeln: Nein, du musst mich nicht sehen können. Die meisten Menschen können das nicht. Das macht meine Arbeit erheblich entspannter.
Meine Aufgabe ist einfach erklärt.
Ich begleite Menschen, die sich auf den Weg machen, sich zu erinnern, wer sie wirklich sind.
Nicht, weil sie besonders perfekt sind.
Ganz im Gegenteil.
Die interessantesten Menschen sind meistens die, die keine Ahnung haben, was sie da eigentlich tun.
So wie sie.
Als ich sie zum ersten Mal bemerkte, saß sie vor einem Computer. Das war im Jahr 2006. Ein eher unspektakulärer Moment in der Geschichte der Menschheit, aber ein ziemlich bedeutender Moment in ihrer eigenen.
Sie starrte konzentriert auf den Bildschirm, als müsste sie gerade ein besonders kompliziertes Rätsel lösen.
Tatsächlich versuchte sie nur herauszufinden, wo man klicken muss.
Ich setzte mich auf den Rand ihres Bewusstseins und beobachtete das Ganze eine Weile.
„Ah“, sagte ich schließlich zu mir selbst.
„Jetzt bekommt sie also Internet.“
Man unterschätzt diese Momente leicht.
Die meisten Menschen denken, große Veränderungen beginnen mit dramatischen Entscheidungen. Mit mutigen Sprüngen ins Unbekannte.
In Wirklichkeit beginnen sie oft viel leiser.
Mit einem Buch.
Mit einer Frage.
Oder mit einer Suchmaschine.
Kurz zuvor hatte sie ein Buch gelesen, das in ihrem Inneren etwas berührt hatte. Eines dieser Bücher, die ein seltsames Gefühl hinterlassen – als hätte jemand eine Erinnerung wachgerufen, von der man gar nicht wusste, dass sie existiert.
Also tat sie das, was Menschen in solchen Momenten tun.
Sie suchte nach dem Autor.
Ich streckte mich ein wenig, lehnte mich zurück und wartete.
Denn ich wusste bereits, was gleich passieren würde.
Auf dem Bildschirm erschien eine Information:
Der Autor würde bald ein Seminar am Chiemsee geben.
Jetzt wurde es interessant.
Sie saß eine Weile da und überlegte.
Menschen brauchen für solche Entscheidungen erstaunlich lange.
Sie wägen ab.
Sie zweifeln.
Sie diskutieren innerlich mit sich selbst.
Drachen sind da etwas direkter.
Wenn etwas ruft, folgt man.
Aber sie war ein Mensch. Also schrieb sie zunächst eine vorsichtige E-Mail und fragte, ob es überhaupt noch Plätze gäbe.
Während sie auf „Senden“ klickte, spürte ich dieses vertraute Kribbeln im Gefüge der Dinge.
Die Art von Moment, in dem ein Weg beginnt, sich zu entfalten.
Sie wusste das natürlich noch nicht.
Für sie war es nur eine kleine Nachricht in einem Postfach.
Für mich sah es eher so aus, als hätte jemand gerade den ersten Dominostein in einer sehr langen Reihe angestoßen.
Ich seufzte zufrieden.
„Na gut“, sagte ich.
„Dann schauen wir mal, wohin dich das alles führt.“
Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte:
Diese kleine E-Mail würde sie bald in Räume voller fremder Menschen führen.
Zu Klängen, die ihr Herz öffnen würden.
Zu Wüsten, Pyramiden und Begegnungen mit Hütern alter Traditionen.
Und sie würde dabei etwas entdecken, das Menschen erstaunlich oft vergessen:
Dass ihr Leben viel größer ist, als sie denken.
Aber keine Sorge.
Ich war ja da.
Jemand musste schließlich darauf achten, dass sie sich unterwegs nicht komplett verläuft.
Menschen haben darin ein erstaunliches Talent.
2006 lernte ich endlich, einen Computer zu bedienen.
Bis dahin war dieses Gerät für mich ungefähr so zugänglich gewesen wie die Steuerzentrale eines Raumschiffs.
Kurz darauf arbeitete ich in einer Abteilung mit Internetzugang. Und wie es manchmal im Leben ist: Genau in dieser Zeit fiel mir ein Buch in die Hände, das mich völlig berührte – „Das Manuskript der Magdalena“ von Tom Kenyon und Judi Sion.
Dieses Buch ging mir unter die Haut.
Also tat ich etwas, das damals noch fast abenteuerlich war: Ich googelte Tom Kenyon.
Und dann kam der erste dieser Momente, bei denen man sich fragt, ob das Leben heimlich Regie führt.
Nur kurze Zeit später sollte Tom Kenyon ein Wochenendseminar am Chiemsee im Jonathan geben, organisiert von Satjanas.
Manchmal beginnt ein neues Leben mit etwas völlig Unspektakulärem.
Nicht mit einem Donnerschlag.
Nicht mit einer Vision.
Nicht einmal mit einer besonders mutigen Entscheidung.
Manchmal beginnt es einfach damit, dass man zum ersten Mal vor einem Computer sitzt und versucht herauszufinden, wo man klicken muss.
Und doch war genau das der Moment, in dem sich – ohne dass ich es ahnte – eine Tür öffnete. Eine von diesen unscheinbaren Türen, an denen man im Alltag tausendmal vorbeiläuft, ohne zu wissen, dass sich dahinter eine völlig andere Welt verbirgt.
Was ich damals nicht wusste:
In diesem Moment hatte mein Leben bereits begonnen, sich zu verändern.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Und irgendwo – zumindest bin ich heute ziemlich sicher – saß in diesem Moment bereits jemand und beobachtete das Ganze mit großem Interesse.
Ein kleiner rosa Drache.
Er hatte es sich gemütlich gemacht, irgendwo am Rand meines Bewusstseins, und betrachtete mich mit einer Mischung aus uralter Weisheit und sehr lebendiger Belustigung.
„Ah“, murmelte er zufrieden.
„Jetzt geht es also los.“
Ich hingegen hatte noch keine Ahnung, dass ich gerade dabei war, in eine Geschichte hineinzulaufen, die mich um die halbe Welt führen würde.
Zu Klangheilern und Schamanen.
Zu Prophezeiungen und Wüstenstürmen.
Zu Begegnungen mit Menschen, die mein Leben verändern sollten.
Und zu einem Drachen, der sich entschied, mich auf all diesen Wegen zu begleiten.
Nicht als Held.
Nicht als Lehrer.
Sondern als jemand, der gelegentlich den Kopf schief legt, lächelt und sagt:
„Du glaubst immer noch, das sei Zufall, oder?“
Spontan schrieb ich eine E-Mail und fragte vorsichtig an, ob vielleicht noch ein Platz frei wäre.
Ehrlich gesagt war mir schon beim Schreiben etwas mulmig. Ich war noch nie alleine zu so etwas gegangen. Ohne Freundin, ohne Begleitung – einfach ich.
Dirk antwortete mir:
Das Seminar sei leider voll, aber er würde mich auf die Warteliste setzen.
Ein paar Tage später kam eine zweite Mail.
Drei Worte, die alles veränderten:
„Du bist drin.“
Ich war überglücklich.
Und gleichzeitig dachte ich:
Oh Gott… ich muss da jetzt wirklich alleine hin.
Das Abenteuer Mehrbettzimmer
Also reservierte ich mir ein Bett im Jonathan.
Bei etwa 170 Teilnehmern blieb nur noch ein Platz im Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsbad.
Aber gut.
Wenn man spirituelle Abenteuer sucht, sollte man nicht an Badezimmern scheitern.
Als ich ankam, war ich zunächst völlig überfordert.
So viele Menschen, so viel Energie, so viele Eindrücke.
Aber erstaunlicherweise gewöhnte ich mich schnell daran.
Und ich tat etwas sehr Strategisches:
Ich sicherte mir einen Platz in der ersten Reihe, ganz links außen.
Von dort aus konnte ich alles beobachten – und im Notfall auch schnell verschwinden.
Tom Kenyon – leise, bescheiden, und dann…
Tom Kenyon selbst war völlig anders, als ich erwartet hatte.
Sehr ruhig, sehr bescheiden.
Doch seine Klänge, Töne und Geschichten waren unglaublich.
Das Seminar hatte eine klare Struktur.
Er erklärte immer vorher genau, was passieren würde und wie lange es dauern sollte.
Bis zu diesem Moment.
In der zweiten Hälfte des Seminars wirkte er plötzlich… anders.
Etwas durcheinander. Fast verwirrt.
Er sagte:
Er wisse nicht genau, was jetzt passieren würde.
Und auch nicht, wie lange es dauern würde.
Das war neu.
Und während er das sagte, liefen mir schon seit Stunden die Tränen herunter.
Ohne Grund.
Ohne Erklärung.
Ich saß in der ersten Reihe und hoffte inständig, dass es niemand bemerkte.
Dann begann es
Tom nahm seine Klangschale Ariel.
Und begann Töne zu erzeugen, die ich bis heute nicht wirklich beschreiben kann.
In diesem Moment wusste ich plötzlich:
Deshalb hatte ich vorher schon geweint.
Die Klänge breiteten sich im Raum aus.
Und plötzlich begann es überall.
Menschen weinten.
Schluchzten.
Manche begannen selbst zu tönen.
Es war völlig verrückt.
Und gleichzeitig hatte man das Gefühl:
Genau das musste jetzt passieren.
Ich habe keine Ahnung, wie lange das dauerte.
Als es vorbei war, stand Tom auf, stammelte ein paar Worte und sagte nur:
Er müsse jetzt sofort den Raum verlassen.
Was war passiert?
Nach einer Pause versuchte er zu erklären, was geschehen war.
Er sagte, er habe mit seinen Tönen Wesen gechannelt, die tief im Inneren der Erde leben.
So tief, dass bisher kein Mensch mit ihnen Kontakt gehabt hätte.
Diese Wesen seien zutiefst berührt gewesen von dem, was passiert sei.
Und ich saß da und dachte:
Das erklärt vielleicht, warum ich schon Stunden vorher geweint hatte.
Denn das war nicht das erste Mal, dass mein Körper offenbar etwas wusste, bevor mein Verstand überhaupt ahnte, dass etwas passieren würde.
Die Umarmung
Am Ende des Seminars bedankte ich mich bei Dirk für den Platz.
Am Abend zuvor hatten wir draußen vor dem Haus gesessen, mit ein paar anderen.
Als wir uns verabschiedeten, umarmte er mich.
Und in diesem Moment passierte etwas sehr Merkwürdiges:
Es fühlte sich für einen kurzen Augenblick so an, als würden zwei Körper zu einer Einheit verschmelzen.
Ich war komplett verwirrt.
Und dachte nur:
Okay… vielleicht ist das hier doch ein ziemlich besonderes Wochenende gewesen.
Und dann ging die Reise erst richtig los
Dieses Seminar war nur der Anfang.
Irgendwann in dieser Zeit begann ich etwas zu bemerken.
Immer wenn mein Leben besonders verrückt wurde –
wenn ich weinte, obwohl nichts passiert war
oder wenn Ereignisse sich seltsam synchron anfühlten –
tauchte in meiner inneren Welt eine Figur auf.
Ein rosa Drache.
Nicht groß.
Nicht furchteinflößend.
Eher verspielt.
Er saß manchmal einfach irgendwo in meinem inneren Kino
und schaute mir zu.
Mit einem Blick, der ungefähr bedeutete:
„Siehst du?
Ich hab dir doch gesagt, dass es interessant wird.“
Der Drache kommentierte nichts.
Aber ich hatte immer das Gefühl,
dass er über meine Versuche, das Universum zu verstehen,
leicht amüsiert war.

Der rosa Drache
Der rosa Drache kam nicht mit Donner und Flammen.
Er kam eher…
wie jemand, der sich zu früh zu einer Party verirrt hat und jetzt geduldig wartet, bis die Gastgeberin merkt, dass er längst da ist.
Er war nicht groß.
Eher kompakt. Rundlich. Mit schimmernden rosa Schuppen, die je nach Stimmung leicht ins Goldene wechseln konnten.
Seine Flügel waren ein bisschen zu klein für seinen Körper.
Was ihn aber keineswegs davon abhielt, sich für einen hervorragenden Flieger zu halten.
Seine Augen hatten dieses besondere Funkeln – eine Mischung aus uralter Weisheit und dem Humor eines Wesens, das das Universum schon sehr lange beobachtet und dabei festgestellt hat:
Die Menschen nehmen vieles erstaunlich ernst.
Der Drache hatte auch einen Namen.
Zumindest behauptete er das.
Aber jedes Mal, wenn ich ihn danach fragte, sagte er nur:
„Ach, Namen. Menschen brauchen Namen. Drachen nicht. Nenn mich einfach… den Teil von dir, der sich erinnert.“
Dann grinste er.
Und ich wusste nie genau, ob er mich gerade aufklären wollte
oder einfach nur Spaß daran hatte, mich ein bisschen zu verwirren.
Seine Aufgabe
Der rosa Drache war kein Beschützer im klassischen Sinne.
Er griff nicht ein.
Er rettete mich nicht vor Fehlern.
Er kommentierte höchstens gelegentlich mein Leben – meist mit einem trockenen Humor, der irgendwo zwischen liebevoll und gnadenlos ehrlich lag.
Wenn ich zum Beispiel wieder einmal irgendwo saß und plötzlich grundlos weinte, tauchte er auf, setzte sich neben mich und sagte:
„Ach gut. Endlich. Ich hatte schon Angst, du merkst es gar nicht.“
„Was merken?“, fragte ich.
„Dass dein Herz schneller ist als dein Kopf.“
Pause.
„Kommt bei Menschen erstaunlich selten vor.“
Seine Weisheit
Der Drache war alt.
Nicht in Jahren.
Sondern in der Art, wie jemand alt ist, der viele Zyklen gesehen hat.
Manchmal sah er mich einfach nur an und sagte Dinge wie:
„Ihr Menschen denkt immer, ihr würdet euren Weg suchen.“
Er legte den Kopf schief.
„Dabei stolpert ihr nur so lange herum, bis ihr endlich aufhört wegzulaufen.“
Oder:
„Die interessantesten Türen öffnen sich immer dann, wenn ihr eigentlich gerade beschlossen habt, vorsichtig zu sein.“
Und mein persönlicher Favorit:
„Spirituelle Entwicklung ist übrigens nur ein eleganter Begriff für heillose Verwirrung mit gelegentlichen Erleuchtungsmomenten.“
Der rosa Drache
(eine Kultfigur entsteht)
Wenn man ihn zum ersten Mal beschreibt, klingt er nicht besonders beeindruckend.
Er ist nicht riesig.
Er speit kein Feuer.
Und er rettet auch keine Prinzessinnen.
Tatsächlich behauptet er selbst, dass Prinzessinnen erstaunlich gut ohne Drachen auskommen.
Seine Schuppen sind rosa.
Manchmal schimmern sie ins Goldene, wenn er gute Laune hat – was überraschend oft vorkommt. Energiegeladen wird er zu leuchtendem Pink
Seine Flügel sind ein kleines bisschen zu klein für seinen Körper.
Aber das hindert ihn nicht daran, regelmäßig zu fliegen.
Er ist überzeugt, dass Selbstvertrauen aerodynamische Probleme ausgleichen kann.
Sein Charakter
Der rosa Drache ist eine sehr alte Seele.
Nicht streng.
Nicht erhaben.
Eher so, wie jemand, der das Universum schon sehr lange beobachtet und dabei festgestellt hat:
Menschen sind gleichzeitig wunderbar und komplett chaotisch.
Er liebt sie dafür.
Aber er macht sich auch gerne ein bisschen über sie lustig.
Zum Beispiel sagt er Dinge wie:
„Menschen suchen ihr ganzes Leben nach dem Sinn des Lebens…
und vergessen dabei regelmäßig, ihren Kaffee zu trinken.“
Oder:
„Spirituelle Entwicklung ist übrigens nur ein eleganter Ausdruck für:
Du hast absolut keine Ahnung mehr, was eigentlich los ist.“
Seine wichtigste Regel
Der Drache greift nie direkt ein.
Das ist eine sehr strenge Drachenregel.
Er erklärt das so:
„Wenn ich anfangen würde, Menschen vor ihren eigenen Entscheidungen zu retten,
würden sie nie lernen, dass ihr Herz eigentlich schon weiß, wohin es will.“
Deshalb macht er nur drei Dinge:
beobachten
kommentieren
gelegentlich lachen
Sein Humor
Der rosa Drache hat einen sehr trockenen Humor.
Zum Beispiel, als sie einmal völlig überfordert mitten in einer spirituellen Zeremonie saß und dachte:
Was mache ich hier eigentlich?
Er setzte sich neben sie und sagte:
„Ganz einfach.
Du versuchst gerade, das Universum zu verstehen.“
Pause.
„Ich beobachte das schon sehr lange.
Das wird noch eine Weile dauern.“
Seine Weisheit
Manchmal sagt er plötzlich Dinge, die überraschend tief gehen.
Zum Beispiel:
„Menschen glauben immer, sie müssten erst bereit sein, bevor ihr Leben beginnt.“
Oder:
„Die meisten Türen öffnen sich genau in dem Moment, in dem ihr beschlossen habt, vorsichtig zu sein.“
Oder sein Lieblingssatz:
„Das Herz weiß meistens längst, wo es hingehen will.
Der Verstand braucht nur etwas länger, um hinterherzukommen.“
Seine Lieblingsbeschäftigung
Der rosa Drache liebt drei Dinge besonders:
1. Gute Geschichten
Er behauptet, dass Geschichten das eigentliche Gedächtnis der Menschheit sind.
„Menschen vergessen Fakten“, sagt er.
„Aber sie erinnern sich an Geschichten.“
2. Überraschungen
Er hat eine große Schwäche für Momente, in denen Menschen plötzlich merken, dass das Leben größer ist als ihre Pläne.
Dann sitzt er irgendwo unsichtbar daneben und sagt:
„Ah. Jetzt wird es interessant.“
3. Herzen
Der Drache interessiert sich weniger für spirituelle Theorien.
Er interessiert sich für Herzen.
„Das Herz“, sagt er, „ist der einzige Kompass, den Menschen wirklich brauchen.“
Seine Beziehung zu dir
Der rosa Drache begleitet nur dich.
Er gehört nicht zur Welt der Menschen.
Er gehört zu deiner inneren Welt.
Er taucht immer dann auf, wenn:
dein Leben eine neue Richtung nimmt
du kurz davor bist, etwas Wichtiges zu verstehen
oder wenn du dich komplett verirrt fühlst
In solchen Momenten setzt er sich neben dich und sagt zum Beispiel:
„Keine Sorge.
Die besten Geschichten beginnen meistens genau so.“
Sein berühmtester Satz
Der rosa Drache sagt oft:
„Du glaubst immer noch, das sei Zufall, oder?“
Der nächste Schritt
Nach diesem Wochenende hätte sie einfach wieder nach Hause gehen und ihr Leben weiterleben können.
Viele Menschen tun genau das.
Sie erleben etwas Schönes – und lassen es dann wieder los.
Aber sie tat etwas anderes.
Sie meldete sich zum nächsten Seminar an.
Ich streckte mich zufrieden.
„Sehr gut“, sagte ich.
Denn genau so beginnen Reisen.
Nicht mit einem großen Sprung.
Sondern mit vielen kleinen Schritten, die irgendwann plötzlich um die halbe Welt führen.
Und ich wusste bereits, dass noch vieles kommen würde.
Wüstenstürme.
Schamanen.
Pyramiden.
Prophezeiungen.
Und Begegnungen mit Menschen, die ihr Leben verändern würden.
Sie wusste das alles noch nicht.
Aber ich wusste es.
Schließlich bin ich ein Drache.
Und Drachen erkennen Geschichten sehr früh.
Die Sache mit der Orange
Wenn Menschen einmal anfangen, ihrer inneren Neugier zu folgen, passiert etwas sehr Interessantes.
Sie glauben, sie würden Entscheidungen treffen.
In Wirklichkeit öffnen sie nur eine Tür nach der anderen – und wundern sich später, wie sie plötzlich auf einem völlig neuen Kontinent gelandet sind.
Genau so ging es ihr.
Nach dem Seminar am Chiemsee hätte sie theoretisch wieder in ihr gewohntes Leben zurückkehren können. Arbeit. Alltag. Sicherheit.
Aber da war jetzt dieses Gefühl.
Dieses leise Ziehen.
Also meldete ich mich für ein weiteres Seminar an. Diesmal bei Drunvalo Melchizedek.
Auch dort passierten Dinge, die mein Weltbild erweiterten – und manchmal auch ordentlich durcheinander bringen sollten
Drunvalo war unglaublich herzlich.
Eines Morgens verließen wir zufällig gleichzeitig unsere Zimmer.
Er legte mir den Arm auf die Schulter und fragte:
„Hast du gut geschlafen?“
Ich antwortete:
„Ja, wie ein Stein.“
Er sah mich an und grinste.
„Ich wusste gar nicht, dass Steine schlafen.“
Die Merkabah-Nachbarschaft
Ich teilte mein Zimmer mit Safira.
Unser Zimmer lagen direkt neben dem von Drunvalo.
In einer Pause standen wir vor unserer Tür, als ein Teilnehmer vorbeilief und fragte:
„Habt ihr das Zimmer neben Drunvalo?“
Wir nickten.
Er sagte ganz ernst:
„Dann schlaft ihr ja in seiner Merkabah.“
Safira grinste nur und sagte:
„Stimmt. Jetzt wo du es sagst.“
Wir lachten – und doch schwang etwas anderes mit. Eine Ahnung, dass solche Worte nicht nur Scherz, sondern vielleicht auch Wahrheit waren.
Der Kurs war intensiv. Drunvalo erzählte von Dimensionen, Energien, von der Blume des Lebens, die alles durchdringt. Doch er tat es mit so viel Herz, mit Wärme, dass es nie abgehoben wirkte. Er war bodenständig – fast wie ein alter Freund, der zufällig das Universum verstanden hatte.
Zwischendurch erzählte er kleine Geschichten aus seinem Leben.
Wie er das erste Mal etwas manifestieren wollte – eine Orange. Er meditierte tief, konzentrierte sich, sah sie vor sich. Plötzlich kam seine Haushaltshilfe herein, ging an ihm vorbei – und legte ihm eine Orange in die Hand.
Er lachte. „Nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte, aber immerhin – es hat funktioniert.“
Ein anderes Mal sprach er über einen Mann namens Daniel, der elektrische Verbindungen mit Nudeln herstellen konnte, und sogar einen Lichtschalter an die Wand malte, der tatsächlich funktionierte. Freie Energie, sagte Drunvalo, und viele Zuhörer nickten andächtig.
Doch es waren nicht nur diese unglaublichen Geschichten, die mich berührten – es war die Energie dahinter. Die Sanftheit, mit der er sprach. Der Humor, der selbst in den tiefsten Themen mitschwang.
Während einer Pause versuchte er, gefüllte Pralinen zu essen, während er weiterredete. Naioma, seine Übersetzerin, sah ihn liebevoll an und sagte:
„Drunvalo, du tropfst.“
Er sah an sich herunter, lachte und wischte sich den Schokoladenfleck mit einem Taschentuch ab. Der ganze Raum lachte mit.
Und wieder kam dieser Moment – wie schon bei Tom Kenyon – in dem mir plötzlich die Tränen kamen. Einfach so. Ohne Grund. Ich ließ es geschehen.
Drunvalo sprach auch von den Hopi und den Kogis.
Von uralten Prophezeiungen, die sagten, dass der Adler des Nordens und der Kondor des Südens eines Tages zusammenkommen würden, um die Erde zu heilen. Ich lauschte gebannt. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich eines Tages selbst Zeugin dieses Treffens sein würde.
Ich lernte in diesem Kurs viele wundervolle Menschen kennen. Einer von ihnen war Aristaia Cash, eine ehemalige Musikerin, die später als spirituelle Lehrerin und Coach arbeitete. Ich mochte sie sofort. Einmal sagte sie mitten in einer Pause und mit einem schelmischen Lächeln:
„Tststs, diese Körper müssen immer pinkeln“, und ging lachend Richtung Toilette.
Ich musste laut lachen – so herrlich bodenständig inmitten all dieser spirituellen Höhenflüge.
Diese Mischung aus Tiefe und Leichtigkeit machte die Tage besonders.
Ich war in einer anderen Welt, und doch so sehr in meiner eigenen angekommen.
Und dann ging die Reise erst richtig los
Die Hüter der Berge
Es war spät. Sehr spät.
23:00 Uhr – eine dieser Uhrzeiten, in denen vernünftige Menschen längst im Bett liegen sollten, besonders wenn sie am nächsten Morgen arbeiten müssen.
Ich saß natürlich noch am Computer.
„Nur noch kurz schauen“, hatte ich mir irgendwann gegen 21:30 Uhr gesagt.
Ein Satz, der in etwa die gleiche Glaubwürdigkeit hat wie „Ich esse nur ein Stück Schokolade“.
Und dann passierte es.
Ich stieß auf eine Ankündigung.
Nicht irgendeine.
Sondern eine, bei der mein Inneres sofort auf „Oh. wie genial....ich wäre so gerne dabei“ schaltete, während mein Verstand noch damit beschäftigt war, die Uhrzeit zu ignorieren.
Ein Treffen.
In Arizona.
In den Four Corners.
Spirituelle Weisheitsträger Indigener Völker – gemeinsam mit Menschen aus der modernen Welt.
Der Anlass: eine uralte Prophezeiung der Hopi.
Der Titel: *Return of the Ancestors.*
Ich starrte auf den Bildschirm.
Und da war es wieder – dieses Gefühl.
Dieses leise, aber sehr bestimmte „Da musst du hin“.
Mein Verstand räusperte sich vorsichtig im Hintergrund.
Mein Englisch? Eher… kreativ.
Alleine reisen? Nicht gerade meine Kernkompetenz.
Und erfahrungsgemäß würde sich sowieso niemand finden, der spontan sagt: „Klar, Arizona, spirituelles Treffen, ich bin dabei!“
Ich kannte das Spiel.
Trotzdem klickte ich mich – rein theoretisch natürlich – zu den Flügen.
Nur mal schauen.
Nur aus Interesse.
Und dann sah ich es.
301 €.
Hin und zurück.
Ich blinzelte.
Schaute nochmal hin.
301 €.
Mein Verstand versuchte noch kurz, irgendetwas Vernünftiges zu sagen, aber da war dieses andere Gefühl schon schneller.
Dieses leise Kribbeln.
Dieses „Was wäre wenn…?“
Ich saß einen Moment still da.
Und dann dachte ich:
Na ja… im schlimmsten Fall habe ich 301 € verloren.
Kurze Pause.
Aber im besten Fall…?
Ich lächelte.
Und buchte den Flug.
Und so begann eine Reise
Eine Reise mit unglaublichen Begegnungen.
Mit Begegnungen mit Kogis und Arhuacos.
Mit Reisen nach Neuseeland, Ägypten und vielen anderen Orten.
Manchmal mit Tränen.
Manchmal mit Fieber.
Manchmal mit Momenten, in denen die Welt für einen Augenblick stillzustehen scheint.
Und manchmal mit Situationen, in denen man einfach nur denkt:
Was zum Himmel passiert hier eigentlich gerade?
Manchmal beginnt ein Abenteuer mit einem einzigen Klick.
Kapitel 3 – Die Rückkehr der Ahnen
April 2009
Es war das Jahr des großen Treffens – Return of the Ancestors.
Ich hatte ein Ticket nach Phoenix, Arizona. Drei Worte auf einem Stück Papier, die mich in eine der tiefsten Erfahrungen meines Lebens führen sollten.
Die Wüste empfing uns mit einem Licht, das zugleich brannte und heilte. Die Luft vibrierte, als wüsste sie, dass hier etwas geschehen würde, was über uns alle hinausging. Überall Menschen aus den verschiedensten Ländern, Kulturen, Traditionen. Trommeln, Gesänge, Gebete.
Ein großes, atmendes Herz aus vielen Völkern.
Menschen aus aller Welt.
Es müssten so an die 300 Personen gewesen sein.
Davon die Hälfte etwa Weisheitsträger wie Grandfather Alejandro Cirilo Oxlaj, President of the National Mayan Council of Elders of Guatemala and President of the Continental Council of Indigenous Elders and Spiritual Guides of the Americas,
Hopi Grandfather Eric, Running Turtle, Hopi Grandfather Martin, der Hüter der Hopi Prophezeihungen,
alle waren vertreten Hopi, Maya, Inca, Lakota, Kogi, Apaches, Navajos, Japaner, Europäer, Australien usw.
Die meiste Zeit davon auf der Dead Horse Ranch State Park, Cottonwood.
Dort wurden über Trage Tänze, Lehren, Weisheiten und Rituale geteilt
Mit dem Begrüßen der Sonne früh morgens am Grand Canyon zum Sonnenaufgang.
Musik, die Tränen auslöst
Am ersten Tag des Treffens auf dem Schulhof der Red Rock High School, Sedona spielte ein Teilnehmer – ich glaube, er war Japaner oder Koreaner – auf einem eigenartigen Instrument im Hof der Schule.
Er sagte, die Musik hätte er in der vergangenen Nacht gechannelt.
Ich dachte innerlich:
Ja, ist klar… gechannelt.
Dann begann er zu spielen.
Und sofort liefen mir wieder Tränen über das Gesicht.
Ich konnte sie nicht stoppen.
Und dachte nur:
Vielleicht gibt es doch noch mehr, als ich bisher glaubte.

Der Kogi Mama
Dort begegnete ich zum ersten Mal den höchsten Hütern einer sehr alten Tradition: den beiden Oberhäuptern Mamas der Kogis und Arhuacos. Diese zwei sind für Südamerika gleichbedeutend wie bei uns die Stellung des Papstes
Hüter des Gleichgewichts: Mamas gelten als Hüter der Erde und der "Aluna" (geistige Welt/Bewusstsein). Ihre Hauptaufgabe ist es, die Welt im Gleichgewicht zu halten, indem sie Rituale durchführen und die Natur respektieren.
Ausbildung: Die Ausbildung zum Mama ist extrem lang und streng. Sie verbringen Jahre in dunklen Höhlen oder abgeschiedenen Hütten, um Weisheit zu erlangen, das spirituelle Gesetz zu verstehen und mit der Natur zu kommunizieren.
Spirituelle Autorität: Sie sind die spirituellen Oberhäupter ihrer Gemeinschaft. Sie treffen wichtige Entscheidungen, führen Zeremonien durch und interpretieren die Ordnung der Welt.
Botschafter für die Erde: Kogi-Mamas sehen sich selbst als "ältere Brüder" der Menschheit und betrachten den Rest der Welt als "kleine Brüder", die den Bezug zur Natur verloren haben. Sie warnen vor der Zerstörung des Planeten und mahnen, das Herz der Erde zu schützen.
Sie kommunizieren mit Aluna, dem Mutter-Geist, um Fragen zu klären und Lösungen für Probleme zu finden.
Zusammenfassend ist ein Kogi-Mama ein hochverehrter spiritueller Führer, der sein Leben der Erhaltung des ökologischen und geistigen Gleichgewichts der Welt widmet.
Normalerweise verlassen sie ihr Land nicht und vor allem niemals beide gleichzeitig .
Aber an diesem Tag waren sie beide dort.
Der Kogi Mama saß ruhig zwischen all den Menschen, als würde er in einem völlig anderen Rhythmus atmen. Er schien fast als wenn er von dem ganzen Geschehen etwas gelangweilt wäre. Er rührte in einem kleinen Gefäß namens Poporo .
Ich fühlte mich seltsam zu ihm hingezogen.
Nicht neugierig.
Eher… gerufen.
Menschen versuchen solche Momente oft rational zu erklären. Das ist verständlich, aber meistens zwecklos.
Der Kogi Mama zog mich sofort an.
wie ein Magnet.
Ich wollte einfach nur seine Stimme hören.
Spüren, wer dieses Wesen ist
Ein Kolumbianer unserer Busgruppe bemerkte mich, zog mich nach vorne und stellte mich vor:
„Das ist eine Teilnehmerin aus Deutschland.“ Ich überlegte gerade noch, ob er mit dieser Information überhaupt etwas anfangen konnte
Als der Kogi Mama mich anschaute.
Und sagte:
„Ich will ihre Hand.“
Ich kniete mich vor ihn.
Er nahm meine Hände.
Und führte sie – zusammen mit seinen – zu meinem Herzen.
Ich schloß meine Augen
Er sagte nichts.
Aber etwas geschah.
In diesem Moment wurde es sehr still.
Ich wusste später selbst nicht genau, was passiert war.
Aber etwas in mir hatte sich verändert.
Solche Augenblicke sind selten.
Es sind Momente, in denen zwei Welten einander erkennen.
Seit diesem Moment ist er in meinem Bewusstsein präsent, sobald ich daran denke.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Einfach… da.
ch habe oft darüber nachgedacht, was diese Begegnung war.
Ein Segen? Eine Erinnerung? Eine Rückverbindung?
Vielleicht alles zusammen.
Die Kogis sagen, dass sie für das Gleichgewicht der Welt beten – für das, was wir Aluna nennen würden, die unsichtbare Welt hinter der sichtbaren.
Vielleicht war es genau das: ein Moment, in dem mein Herz wieder in dieses Netz aus Bewusstsein eingewoben wurde.
Später, als Don Alejandro und die Ältesten ein Paar segneten, sprachen sie die Worte:
„Diese Verbindung ist nicht nur für dieses Leben.
Diese Verbindung ist für alle Leben.“
Ich wusste in diesem Moment:
Das galt nicht nur für die beiden, die dort standen.
Es galt für uns alle – für die Völker, für die Erde, für jeden, der sich erinnerte.
Und vielleicht auch für mich und den Kogi Mama.
Ein stilles Band, jenseits von Raum und Zeit. Begegnungen die ein Leben verändern
https://www.youtube.com/watch?v=gyoVo9Y3wI0
An einem Pausentag begleitete uns Drunvalo zu den Red Rocks in Sedona. Wir kletterten dort auf den roten Felsen herum. Er meinte noch, wenn Ziegen es können, könnt ihr es auch.
Sandsturm und Prophezeiungen
Der Tanz von Adler und Kondor
Einige Tage später befand ich mich mitten in einer Landschaft, die aussah, als hätte der Wind beschlossen, Künstler zu werden.
Land of the Forgotten People.
Weite Ebenen.
Staub.
Und ein Sturm, der alles in Bewegung brachte.
Wir fuhren den größten Teil in einem Reisebus, wechselten dann zu Jeeps und das letzte Stück mussten wir laufen.
Als wir ankamen, tobte ein Sandsturm.
Die Bewohner wollten für alle Essen machen.
Mein Teller war nach fünf Minuten zur Hälfte mit Sand gefüllt.
Überall wehten riesige Heuballen durch die Gegend.
Großmutter Margarita stand mit Taucherbrille da, um ihre Augen vor dem Sand zu schützen.
Und vor mir begann der Tanz von Adler und Kondor.
Ein uraltes Symbol.
Wenn der Adler des Nordens und der Kondor des Südens sich wieder begegnen, beginnt eine neue Zeit.
Und ich stand mitten im Sandsturm.
Mit einem halb sandgefüllten Teller.
Und dachte:
Wie bin ich nur hier gelandet?
„Wenn das Universum etwas Wichtiges sagen will, dann sorgt es meistens für dramatische Kulisse.“
Zufälle im Greyhound-Bus 2012
2012 traf ich einen Teilnehmer dieser Reise in einem Greyhound bus von Miami zu den Florida Keys.
Ein völlig schräges Zusammentreffen.
Der Bus war so gut wie leer aber er fragte: kann ich mich zu dir setzten?
Ich dachte, omg 4 Stunden fahrt und ich muß 4 Stunden Englisch Konversation betreiben
und irgend wann in seinen vielen Erzählungen kamen wir dann darauf
dass wir beide Teilnehmer des ROTA waren.
Manchmal ist die Welt so unglaublich klein
Manchmal fragte ich mich ernsthaft, ob das Universum heimlich meinen Terminkalender führte. Kaum hatte ich einen Koffer ausgepackt, schien es schon wieder zu sagen: „So, genug ausgeruht. Es geht weiter.“
Früher hätte mich dieser Gedanke vermutlich überfordert. Ich war schließlich jemand, der nicht einmal alleine auf ein Seminar fahren wollte. Und plötzlich flog ich alleine ans andere Ende der Welt, traf indigene Älteste, spirituelle Lehrer und Menschen, deren Wege sich mit meinem oft nur für einen einzigen Augenblick kreuzten – und doch Spuren hinterließen, die bis heute geblieben sind.
Damals verstand ich vieles nicht. Ehrlich gesagt verstand ich meistens gar nichts. Ich sagte oft Ja, während mein Verstand noch hektisch nach Gründen suchte, warum das eigentlich eine schlechte Idee war.
Rückblickend erkenne ich einen roten Faden. Damals sah er allerdings eher aus wie das Wollknäuel einer Katze nach einer durchspielten Nacht.
Ich begegnete Menschen, die mich mit einem einzigen Satz berührten. Anderen, mit denen ich kein gemeinsames Wort sprechen konnte und die mir dennoch vertraut vorkamen. Ich fand mich an Orten wieder, die sich seltsam nach Zuhause anfühlten, obwohl ich sie zum ersten Mal betrat.
Mit jeder Reise wurde mir deutlicher, dass es nicht die Länder waren, die mich riefen. Es waren die Begegnungen.
Die Fische von Neuseeland August 2009
Nicht lange danach führte mein Weg nach Neuseeland.
Dort traf sich eine Gruppe von 121 Personen mit den Waitaha – einer alten Linie von Hütern des Friedens, die eine 500 Jahre alte Prophezeiung hatten
Ein Land, das wie ein Spiegel zwischen Himmel und Erde schwebt.
Ich kam dorthin ohne Plan, nur mit dem Gefühl, dass etwas auf mich wartete.
Die Māori sagen, dass jede Seele, die an ihre Küsten gelangt, von der Erde selbst gerufen wurde.
Ich verstand.…
Schon bei der ersten Begegnung mit ihren Gesängen, den karakia, spürte ich:
Das hier war nicht neu. Es war ein Wiedersehen.
Die Kraft der Elemente, das tiefe Atmen der Erde – alles erinnerte mich an etwas, das ich längst kannte.
Die Berge dort hatten dieselbe Stimme wie die Wüste Arizonas, und das Meer sprach dieselbe Sprache wie die Trommeln der Kogis.
Alles war verbunden.
In den Nächten am Feuer hörte ich Geschichten, die denen der Hopi ähnelten.
Andere Kontinente, dieselbe Wahrheit:
„Wir sind Hüter, nicht Besitzer.“
Ich begann zu verstehen, dass meine Reisen keine Flucht waren, sondern Rückkehr – zu Orten, an denen mein Herz etwas zu erinnern hatte.
Am Ende der Reise verabschiedete ich mit von Te Porohau, einem der Führenden Mitglieder der Waitahas und der Familien. Er sagte „Komm nach Hause“ bleib bei uns und lebe und wirke hier mit uns
Zuhause am anderen Ende der Welt
Neuseeland.
Ein Land, das sich nicht wie ein fremder Ort anfühlt –
sondern wie eine Erinnerung.
Noch bevor die eigentliche Reise begann, nahm ich mir ein paar Tage Zeit für mich.
Allein unterwegs auf der Nordinsel.
Ich hatte Bedenken, alleine klar zu kommen, mich einsam zu führen am anderen Ende der Welt. Genau das Gegenteil war der Fall. Sobald ich irgendwo saß, kamen Fremde und setzen sich zu mir…obwohl noch viel freier Platz da war.
Bay of Islands.
Bootstour. Delfine.
Ich saß da, blickte aufs Wasser und hatte dieses Gefühl:
Ich kenne das hier.
Nicht vom Verstand her.
Sondern tiefer.
Als wäre ich nicht angekommen –
sondern zurückgekehrt.
Coromandel – und das Gefühl von „richtig sein“
Von dort ging es weiter auf die Coromandel-Halbinsel.
Ich machte eine Kanutour durch eine Landschaft, die fast zu schön wirkte, um real zu sein.
Grün. Weit. Still.
Und wieder dieses Gefühl:
kein Fremdsein.
Kein Suchen.
Einfach da sein.
Was hier bei uns kaum vorstellbar wäre, war dort ganz selbstverständlich.
Ich saß im Bus, und je weiter wir fuhren, desto leerer wurde er –
bis am Ende nur noch ich übrig war.
Der Busfahrer bemerkte das, lächelte –
und begann, die Fahrt auf seine ganz eigene Weise zu gestalten.
Immer wieder hielt er an den schönsten Aussichtspunkten an,
drehte sich zu mir um und sagte sinngemäß:
„Geh ruhig ein paar Minuten raus.“
Und ich ging.
Stand dort,
schaute in die Weite,
atmete.
Ohne Eile.
Ohne Zeitdruck.
Er wartete einfach.
Es war eine dieser stillen Gesten,
die mehr sagen als viele Worte.
Eines Morgens, sehr früh, konnte ich nicht mehr schlafen
und ging an den Strand.
Die Welt war noch ruhig,
fast wie in einem Zwischenzustand.
Dort begegnete ich einem älteren Mann,
der mit seinem Hund unterwegs war.
Wir kamen ins Gespräch – ganz natürlich, ganz leicht.
Und nach wenigen Minuten sagte er:
„Komm doch mit, ich mache gerade Frühstück.“
Ich zögerte keine Sekunde.
Sein Haus lag direkt am Strand.
Wir saßen zusammen, aßen, unterhielten uns –
als würden wir uns schon lange kennen.
Als ich ging, lächelte er und sagte:
„Komm doch irgendwann wieder. Bring deinen Partner mit. Ihr könnt bei mir Urlaub machen.“
So einfach.
So selbstverständlich.
Es waren diese Begegnungen,
die mich am meisten berührt haben.
Diese Offenheit.
Diese Großzügigkeit.
Diese stille Warmherzigkeit.
Als wäre es das Natürlichste der Welt,
einem fremden Menschen zu begegnen
und ihn einfach willkommen zu heißen.
Ich fühlte mich zuhause, am anderen Ende der Welt.
Die Gruppe – 122 Menschen und ein bisschen Wahnsinn
Dann begann der eigentliche Teil der Reise.
Unsere Gruppe: etwa 122 Menschen.
Mit dabei:
Drunvalo,
Her Holiness Sai Maa,
Grandfather Eric von den Hopi
– und viele andere.
Eine Mischung, die man schwer beschreiben kann.
Oder vielleicht so:
spirituelle Tiefe trifft auf menschliche Realität.
Es gab Begegnungen, die einfach… besonders waren.
Ein Russe zum Beispiel.
Wir konnten kein Wort miteinander sprechen.
Nicht eines.
Und trotzdem war da sofort eine Vertrautheit,
als würden wir uns seit Ewigkeiten kennen.
Dann eine Südamerikanerin,
die überzeugt war, ein Delfin zu sein.
Und ich meine nicht metaphorisch.
Und irgendwo dazwischen:
Menschen wie Ojasvin –
charismatisch, präsent, beeindruckend.
Walesi, ein ruhiger bewußter Maori
Es war alles da.
Und alles hatte seinen Platz.
Das Ritual – oder: warum man im Winter ins Meer geht
Einer der besonderen Momente war ein Ritual mit den Waitahas.
Sie wollten herausfinden,
ob wir die Gruppe waren,
von der ihre Prophezeiungen sprachen.
Und dafür hatten sie einen Test.
Natürlich.
Drunvalo stand da, hörte sich die Aufgabe an
und sagte trocken:
„I am doing better in hot water.“
Ich musste lachen.
Alle mussten lachen.
Denn das Problem war:
Es war Winter.
Neuseeland-Winter.
Und das Meer war… sagen wir mal… nicht einladend.
Die Aufgabe:
Ins Wasser gehen
und die Fische rufen,
damit sie uns als Nahrung dienen.
Klingt einfach.
Ist es nicht.
Vor allem nicht bei diesen Temperaturen.
Wir gingen trotzdem hinein.
Langsam.
Zögernd.
Mit sehr viel innerer Überwindung.
Und taten, was uns gesagt wurde.
Rufen. Spüren. Verbinden.
Am nächsten Tag
waren tatsächlich Fische in der Bucht.
Ich dachte nur:
Okay… ich stelle ab jetzt weniger Fragen.
Schlafen im Marae – oder auch nicht
Ein Großteil der Gruppe – etwa 100 Menschen –
schlief gemeinsam auf Matratzen auf dem Boden eines Marae.
Die restlichen wurden ausgelagert
und morgens wieder eingesammelt.
Eine sehr… praktische Lösung.
Die Nächte waren… lebendig.
Jalal aus London beschwerte sich am nächsten Morgen:
„Ich konnte überhaupt nicht schlafen.
Neben mir hat jemand so laut geschnarcht –
Oropax hat nichts gebracht.
Der Boden hat vibriert!“
Ich musste lachen.
Denn ja –
es war laut.
Sehr laut.
Eines Nachts wachte ich auf
und hatte plötzlich Gesellschaft.
Ein kleines Kind eines italienischen Paares
war im Schlaf von seiner Matratze heruntergekrabbelt
– und hatte sich kurzerhand zu mir gelegt.
Und schlief friedlich weiter.
Drunvalo – Käse, Hemden und Herzlichkeit
Drunvalo war die ganze Zeit über
herzlich, präsent und erstaunlich bodenständig.
Er begrüßte mich morgens,
setzte sich im Bus dazu
und teilte seinen Käse mit uns.
Ein Moment, den ich nie vergessen werde.
Besonders stolz war er auf sein neues Hemd.
Er erzählte uns freudig:
„Das reinigt sich selbst.
Ich kann es tagelang tragen.“
Ich sah ihn an,
nickte…
und dachte mir meinen Teil.
Was bleibt
Diese Tage waren intensiv.
Voll.
Lebendig.
Mit Ritualen, Gesängen, Begegnungen,
tiefen Momenten
und sehr viel Lachen.
Neuseeland hat mir gezeigt,
dass Spiritualität nicht nur in stillen Momenten passiert.
Sondern auch:
auf kalten Wegen ins Meer
zwischen schnarchenden Menschen
und mit selbstreinigenden Hemden
Und vielleicht ist genau das die Wahrheit:
Dass das Heilige
nicht irgendwo getrennt existiert.
Sondern mitten im Leben.
Dieses Zusammenleben…
war sagen wir mal: sehr intensiv.
Für jeden von uns.
Ich wurde krank, bekam Fieber
und hatte immer wieder nur einen Gedanken:
Ich würde jetzt wirklich gerne einfach schlafen.
Einfach nur liegen.
Nichts fühlen.
Nichts transformieren.
Nur schlafen.
Aber genau das schien nicht Teil des Plans zu sein.
Die Energien in der Gruppe stiegen immer weiter an.
Und mit ihnen kam alles hoch,
was sonst ganz gut im Verborgenen bleibt.
Alte Themen.
Verletzungen.
Unerfüllte Erwartungen.
Und plötzlich war nichts mehr „spirituell schön“.
Sondern einfach nur… ehrlich.
Menschen gerieten aneinander.
Es wurde diskutiert, gestritten, projiziert.
Teilweise mit einer Intensität,
bei der man sich fragte,
ob wir hier gerade ein Seminar machen
oder eine sehr experimentelle Gruppentherapie.
Die Körper machten auch mit.
Schmerzen hier.
Erschöpfung da.
Und das alles kombiniert mit:
121 Menschen.
Und ungefähr fünf Duschen.
Ich erinnere mich noch, wie ich dachte:
Das hier allein ist schon eine Initiation.
Es war chaotisch.
Unstrukturiert.
Überfordernd.
Und gleichzeitig… genau richtig.
Auch wenn man das in dem Moment nicht unbedingt so empfindet.
Meine größte Herausforderung war es,
in meinem Herzen zu bleiben.
Nicht in die Dynamiken einzusteigen.
Nicht zu bewerten.
Sondern da zu bleiben.
Bei mir.
Was ungefähr so einfach war,
wie in einem Sturm still zu stehen
und zu sagen:
„Ich bleibe jetzt einfach ruhig.“
Es wurde immer deutlicher,
wie viel in jedem Einzelnen in Bewegung war.
Auch die Anteile,
die man normalerweise ganz gerne versteckt.
Diese kleinen… und manchmal auch sehr großen Egos,
die plötzlich ziemlich laut wurden.
Und unbedingt Recht haben wollten.
Die ganze Situation fühlte sich an
wie ein gigantischer Schnellkochtopf.
Alles unter Druck.
Alles brodelnd.
Und ich wartete innerlich nur noch:
Wann fliegt der Deckel?
Und dann kam der Moment,
der mir alles noch einmal anders gezeigt hat.
Selbst Drunvalo –
der sonst so ruhig, klar und präsent war –
kam an einen Punkt,
an dem es einfach zu viel wurde.
Die Emotionen.
Die Dynamik.
Die Intensität.
Er musste sich zurückziehen.
Sich sammeln.
Wieder bei sich ankommen.
Und genau da wurde mir etwas ganz Wesentliches klar:
Das hier war kein „perfekter spiritueller Raum“.
Das war echt.
Roh.
Ungefiltert.
Menschlich.
Und vielleicht…
liegt genau darin die eigentliche Transformation.
Nicht in den stillen, schönen Momenten.
Sondern in denen,
in denen alles gleichzeitig da ist.
Und du trotzdem entscheidest,
in deinem Herzen zu bleiben.
Ägypten 11.11.2009
Und dann kam Ägypten.
Mit 21 Menschen durften wir morgens um 4 Uhr privat in die Cheops-Pyramide.
Die Wächter ließen nur uns hinein.
Wir verteilten uns in den verschiedenen Kammern.
Und begannen zu tönen.
Der Klang wanderte durch die Pyramide.
Nach zwei Stunden machten die Wächter das Licht aus.
Zwei Minuten völlige Dunkelheit.
An einem der geheimnisvollsten Orte der Welt.
Das vergisst man nicht.
Die Stille der Pyramide
Doch einer der stärksten Momente ihrer Reise kam später.
Ägypten.
Früh am Morgen durfte meine Gruppe mit 21 Personen die große Pyramide betreten.
Die Cheops-Pyramide.
Es war 4:00 Uhr morgens, das Gizeh Plateau war leer und Sirius stand direkt über der Spitze der Pyramide
Wenn du jemals an einem Ort warst, der älter ist als fast jede Erinnerung der Menschheit, weißt du, dass dort eine besondere Stille herrscht.
In der Königskammer setzte sich ihre Gruppe in Meditation.
Dann schalteten die Wächter für zwei Minuten das Licht aus.
Völlige Dunkelheit.
Absolute Stille.
Ich saß neben ihr.
Selbst ich sprach nicht.
Manche Orte verdienen Respekt.
Als das Licht wieder anging, war der Raum derselbe.
Und doch nicht mehr ganz.
Später im Tal der Könige, vor dem Grab von Tutanchamun, begann sie plötzlich zu weinen.
Ohne zu wissen warum.
Ich sah sie an.
„Erinnerungen“, sagte ich leise.
„Manche sind älter als ein einziges Leben.“
Kapitel 6 – Zwischen Pyramiden, Fieber und kleinen Wundern
Mit Kata – die ich ja bereits in Arizona und später in Neuseeland kennengelernt hatte – ging es weiter nach Ägypten.
Kata arbeitete unter dem Namen Lemurian Awakening und leitete an besonderen Orten auf der Welt energetische Aktivierungen.
Und ja… Ägypten ist definitiv ein „besonderer Ort“.
In jeder Hinsicht.
4 Uhr morgens in der Cheops-Pyramide
Wir waren eine kleine Gruppe von 21 Menschen – und hatten tatsächlich privaten Zugang zur Cheops-Pyramide.
Allein dieser Satz fühlt sich heute noch unwirklich an.
Um 4 Uhr morgens ließen uns die Wachen hinein.
Sie blieben am Eingang stehen – wir gingen weiter.
Aufgeteilt in drei Gruppen:
7 Personen in die Königskammer
7 in die Königinnenkammer
und ich… natürlich… in die unterirdische Kammer
Warum auch einfach, wenn’s auch intensiv geht.
Unten war alles anders.
Roh. Ursprünglich. Still.
Rechts der Brunnenschacht – der Zugang zu den sogenannten Hallen von Amenti.
Ein Ort, bei dem man besser nicht zu viel nachdenkt, wenn man dort steht.
Dann begann es.
Oben wurde getönt.
Dann in der Mitte.
Und schließlich wir – ganz unten.
Die Klänge bewegten sich durch die Pyramide,
wie Wellen durch Zeit und Stein.
Ich hatte kein Gefühl mehr für Raum und Zeit.
Zwei Stunden später wurde von den Wächtern für zwei Minuten das Licht ausgeschalten als Zeichen für uns, raus zu kommen
Für zwei Minuten.
Komplette Dunkelheit.
Und ich meine wirklich:
keinerlei Licht.
Kein Schimmer. Kein Schatten.
Nur Raum.
Und dich selbst darin.
Ein sehr ehrlicher Moment.
Wenn du jemals an einem Ort warst, der älter ist als fast jede Erinnerung der Menschheit, weißt du, dass dort eine besondere Stille herrscht.
Der Rückweg führte durch einen Tunnel von etwa 70 x 70 cm.
Also… eher kriechend als gehend.
Mittendrin: Herzklopfen.
Nicht das romantische.
Eher so:
„Jetzt bitte keine Panikattacke. Wirklich nicht.“
Aber ich kam durch.
Natürlich.
Um 6 Uhr morgens standen wir draußen –
auf dem leeren Plateau, bei der Sphinx.
Still.
Golden.
Unwirklich.
Fieber, Tempel und unerwartete Umarmungen
Der Isis-Tempel hatte eine ganz eigene Energie.
Und mein Körper offenbar auch – ich hatte hohes Fieber.
Perfektes Timing.
Mit einer kleinen Gruppe waren wir im Inneren des Tempels –
und machten… sagen wir mal… ein nicht ganz offizielles Ritual.
Ich war innerlich schon darauf vorbereitet, jeden Moment freundlich, aber bestimmt hinausbegleitet zu werden.
Stattdessen passierte… nichts.
Oder besser gesagt:
Die Wachen schirmten uns ab.
Keine Touristen durften rein.
Wir konnten in Ruhe unser Ritual machen.
Ich dachte nur:
Okay… interessant. So kann es also auch laufen.
Nach etwa 15 Minuten löste sich die Gruppe auf, jeder ging in eine andere Richtung.
Ich lief noch etwas durch den Tempel, ziemlich durch den Wind – im wahrsten Sinne.
Dann kam mir ein Wächter entgegen.
Mit Maschinengewehr.
Er blieb stehen.
Sah mich an.
Und nahm mich einfach wortlos in den Arm.
Zwischen uns: das Gewehr.
Dann ließ er mich los und ging weiter.
Keine Erklärung.
Kein Wort.
Nur dieser Moment.
Und ich stand da und dachte:
Ägypten ist… speziell.
Luc, Fieber und eine sehr alte Verbindung
Nach dem Tempelbesuch war ich ziemlich erschöpft.
Luc – mit einem sehr guten Gespür für den richtigen Moment –
legte einfach seinen Designer-Pulli auf den Boden
und ließ mich darauf sitzen.
Ich weiß noch, wie ich dachte:
Das ist jetzt wirklich nett… und ein bisschen absurd gleichzeitig.
Er setzte sich im Bus immer neben mich,
ich konnte mich anlehnen und schlafen.
Es fühlte sich vertraut an.
Alt.
Als würden wir uns schon sehr lange kennen.
Vielleicht sogar aus genau diesem Land.
Nil, Fieber… und plötzlich vorbei
Luxor. Nilkreuzfahrt.
Und ich… immer noch mit Fieber unterwegs.
Bis zu einem Abend.
Ich saß bei einer Vorstellung auf dem Schiff
und spürte plötzlich ganz deutlich:
Das Fieber bewegt sich.
Von oben nach unten.
Durch meinen Körper.
Und dann… war es weg.
Einfach so.
Ich saß da und dachte nur:
Okay. Das war jetzt neu.
Zwischen Tempeln und kalten Steinen
Im Hathor-Tempel durften wir erneut in einem unterirdischen Kammer ein Ritual machen.
Zwischendurch lag ich draußen auf den alten, kühlen Steinen,
weil mein Körper wieder beschlossen hatte, eigene Wege zu gehen.
Ägypten ist nichts für halbe Sachen.
Und ich konnte leider keine Pausen einlegen, da wir jeden Tag den Standort wechselten
Tal der Könige
Am Grab von Tutanchamun stand ich da –
und musste furchtbar weinen.
Ohne Vorwarnung.
Ohne Erklärung.
Nur dieses tiefe, überwältigende Gefühl.
Ohne zu wissen warum.
Vielleicht wegen der Geschichte.
Vielleicht wegen der Atmosphäre.
Oder vielleicht einfach, weil manche Orte etwas in uns berühren, das sich nicht in Worte übersetzen lässt.
Der falsche Flughafen – oder: Vertrauen lernen auf die harte Tour
Am Ende der Reise kam dann noch eine gewaltige Prüfung.
Der Fahrer – der kein Wort Englisch sprach –
setzte mich mitten in der Nacht am falschen Flughafen ab.
Zeigte auf die Straße und meinte sinngemäß:
„Da rein.“
Vorher: Polizeischutz, organisierte Wege, Sicherheit.
Jetzt:
Ich.
Allein.
Falscher Ort.
Kein Geld.
Keine Telefonnummer.
Perfekt.
Im Flughafen sagte man mir, ich solle einen Shuttle nehmen.
Ich nahm einen….im weitesten Sinne, Bus
Kam an…
und war immer noch falsch.
Dann hieß es:
„20 Minuten die Straße runterlaufen, dann kommt noch ein Gebäude.“
Also lief ich.
Nachts.
Mit Gepäck.
Und ein Mann hinter mir,
der „etwas wollte“.
Ich beschloss einfach weiterzugehen.
Irgendwann kam ich an.
Irgendwie.
Und irgendwann auch wieder nach Hause.
Und was blieb
Ägypten war keine Reise.
Es war ein Eintauchen.
Ein Erinnern.
Ein Durchgehen durch Schichten – äußerlich und innerlich.
Mit Momenten, die wunderschön waren.
Und anderen, bei denen man sich fragt,
warum man sich das eigentlich freiwillig antut.
Intensiv.
Chaotisch.
Unwirklich.
Und gleichzeitig
eine tiefe Erinnerung daran,
dass es Orte gibt,
an denen die Seele einfach weiß.
Der rosa Drache schwieg eine ganze Weile.
Das kam selten vor.
Normalerweise hatte er zu allem eine Meinung.
Oder zumindest einen Kommentar, der irgendwo zwischen trocken und unangenehm treffend lag.
Aber jetzt saß er einfach nur da.
Den Kopf leicht schief gelegt.
Die Flügel ordentlich an den Körper gezogen.
Und betrachtete sie.
„Hm“, machte er schließlich.
Pause.
„Ägypten.“
Noch eine Pause.
„Ihr Menschen habt wirklich ein Talent dafür, euch die einfachsten Orte auszusuchen, um euch selbst komplett zu verlieren.“
Er sah kurz zu mir.
„Und dann wundert ihr euch.“
Ich lehnte mich innerlich zurück.
„Was genau meinst du diesmal?“
Er hob eine Augenbraue.
Zumindest tat er so, als hätte er eine.
„Du gehst in eine Pyramide, lässt dich zwei Stunden lang von Klängen durch die Zeit tragen, sitzt in absoluter Dunkelheit…“
Er zählte an seinen Krallen ab.
„…wirst von einem bewaffneten Wächter wortlos umarmt…
verirrst dich nachts an den falschen Flughafen…“
Kurze Pause.
„Und dein Fazit ist: Ägypten ist speziell.“
Er sah mich an.
„Ich mag deinen Sinn für Untertreibung.“
Ich musste lachen.
Und genau in diesem Moment wurde mir etwas klar, das ich damals noch nicht sehen konnte:
Es waren nie die Orte allein gewesen.
Nicht Arizona.
Nicht Neuseeland.
Nicht Ägypten.
Es war das, was diese Orte in mir geöffnet hatten.
Der Drache nickte zufrieden. „Ah“, sagte er.
„Jetzt wird’s langsam interessant.“
Der gelbe Schal
Kaum war ich aus Ägypten zurück,
kam die nächste „Einladung“.
Oder besser gesagt: eine Aufforderung.
„Wir holen dich am 4.2.2010 in Auckland am Flughafen ab.
Trage einen gelben Schal, damit dich unser Fahrer erkennen kann.“
Ich saß vor meinem Computer und dachte nur:
Wie bitte?
Keine Frage, ob ich kommen möchte.
Keine weiteren Details.
Nur:
Zeit. Ort. Gelber Schal.
Offenbar hatten die Waitahas entschieden,
dass es wichtig war,
einige Menschen nach Waitangi zu bringen.
Zum Nationalfeiertag Neuseelands –
dem Waitangi Day.
Ein Ort,
an dem Geschichte, Kultur und Gegenwart aufeinandertreffen.
Und ich… sollte einfach erscheinen.
Ich kämpfte mit mir.
Ist das jetzt…
völliger Wahnsinn?
Oder genau das Richtige?
Ich entschied mich…
zwei Tage vorher.
Natürlich.
32 Stunden Anreise.
Über Dubai.
Über Australien.
Und irgendwann stand ich da.
Auckland.
Frühmorgens.
Mit gelbem Schal.
Bereit, abgeholt zu werden.
Ich wartete.
Und wartete.
Und wartete.
Niemand kam.
Ich saß da.
Müde. Verwirrt. Und ziemlich sicher, dass hier gerade etwas gründlich schiefgelaufen war.
„Ah“, sagte eine vertraute Stimme neben mir.
Ich drehte den Kopf nicht einmal.
„Du bist auch wieder da“, murmelte ich.
Der rosa Drache saß auf meinem Koffer. Natürlich.
„Ich war nie weg.“
Er sah sich im Flughafen um.
„Also… du reist einmal um die halbe Welt…
wirst eingeladen…
und dann holt dich niemand ab.“
Kurze Pause.
„Starker Einstieg.“
Ich schloss kurz die Augen.
„Das war nicht der Plan.“
Er grinste.
„Doch.“
Pause.
„Nur nicht deiner.“
Stunden vergingen.
Die Müdigkeit wurde schwer.
Ich saß da und dachte:
Das ist jetzt nicht wirklich dein Ernst…
Am Abend gab ich auf.
Ich nahm mir ein Zimmer am Flughafen.
Müde.
Allein.
Und langsam auch ein bisschen verzweifelt.
Ich hatte Notfallnummern bekommen.
Ich rief an.
Niemand ging ran.
Da saß ich nun.
Am anderen Ende der Welt.
Ohne Plan.
Ohne Kontakt.
Und mit einem Samsonite-Koffer.
Ich erinnere mich noch genau an diesen Gedanken:
Mit Rucksack wäre das jetzt irgendwie stimmiger.
Am nächsten Morgen traf ich eine Entscheidung.
Wenn mich niemand abholt,
dann fahre ich eben selbst.
Ich nahm den Bus Richtung Bay of Islands.
Über fünf Stunden Fahrt.
Mit Jetlag.
Und einem Körper, der nicht mehr wusste,
in welcher Zeitzone er eigentlich gerade ist.
Als ich endlich ankam,
ging ich direkt zu dem Hotel,
in dem ich angeblich untergebracht sein sollte.
Niemand wusste etwas.
Keine Reservierung.
Keine Gruppe.
Nichts.
Ich stand da,
völlig übermüdet,
völlig durcheinander
und fragte mich langsam wirklich:
Was mache ich hier eigentlich?
Ich hatte keine Ahnung, ob ich angekommen war – oder mich gerade komplett verlaufen hatte.
Waitangi selbst war riesig.
Eine parkähnliche Anlage.
Und irgendwo dort draußen
sollte diese Veranstaltung stattfinden.
Ich lief ein Stück,
suchte,
orientierte mich –
so gut es eben ging.
Und irgendwann
gab ich einfach auf.
Ich legte mich ins Gras.
Eine Hand am Koffer.
Mitten in einer Welt, die ich nicht verstand.
„Sehr gute Strategie“, hörte ich ihn sagen.
Ich blinzelte.
Der Drache lag neben mir, die Flügel halb ausgebreitet.
„Einfach kurz aufgeben und schlafen.
Das Universum liebt solche Momente.“
„Ich gebe nicht auf“, murmelte ich.
„Natürlich nicht“, sagte er ruhig.
„Du hörst nur auf, dagegen anzukämpfen.“
…Und schlief ein.
Mitten im Nirgendwo.
Mitten in allem.
Als ich wieder aufwachte,
war die Welt voller geworden.
Sehr viel voller.
Rund 30.000 Menschen waren inzwischen dort.
Maori-Führer.
Politiker.
Einheimische.
Touristen.
Ein riesiges, lebendiges Feld aus Stimmen, Farben und Bewegung.
Und ich mittendrin.
Allein.
Oder zumindest dachte ich das.
Dann sah ich ihn.
Walesi.
Ein Teilnehmer der ersten Reise 2009.
Ich konnte es kaum glauben.
Von all den Menschen…
stand genau er plötzlich vor mir.
Ich ging sofort auf ihn zu,
er erkannte mich,
und ich erzählte ihm in wenigen Sätzen,
was passiert war.
Er hörte zu, nickte
und sagte ganz ruhig:
„Ich helfe dir.“
Und in diesem Moment
war sie plötzlich wieder da:
Hoffnung.
Der Bote, der seinen Flug verpasste
Das wirklich Absurde an dieser ganzen Situation begann eigentlich schon vor meiner Abreise.
Ich hatte einen Video-Call mit Kata.
Und was sie mir dort sagte, klang…
nun ja… wie aus einem anderen Universum:
„Give my kisses to the grandmothers.
Connect Walesi.
Give him my love and ask him about the location of the 21th March Ceremony.
He will know the perfect venue for us. Be there as a Lemurian Ambassador.
Keep the love and light of the Lemurians in your heart.
Adama is there.“
Ich saß da und dachte nur:
Ja… klar.
Vor allem der Teil mit Walesi.
Wie sollte ich bitte auf einer Insel am anderen Ende der Welt
zufällig genau diesen einen Menschen treffen?
Und dann… stand er einfach vor mir.
Mitten unter 30.000 Menschen.
Nachdem ich ihn gefunden hatte – oder er mich –
holte er mir erst einmal Tee und etwas zu essen.
Ein sehr bodenständiger Anfang
für eine ziemlich unbodeständige Geschichte.
Er ließ mich im Festzelt zurück,
um sich umzuhören, ob jemand
Te Porohau oder meine ursprüngliche Gruppe gesehen hatte.
Ergebnis:
Niemand wusste irgendetwas.
Natürlich.
Also ging ich am Abend mit Walesi mit.
Zu ihm nach Hause.
Zu seiner Frau.
Und zu Peter Harrison.
Irgendwann stellte ich dann – ganz nebenbei –
die Frage von Kata.
Walesi hörte zu, nickte…
und verwies mich direkt an Peter.
„Er weiß das.“
Ich hatte keine Ahnung, warum.
Aber gut.
Peter war halb Māori, halb Jugoslawe
und hatte offenbar eine besondere Stellung.
Eine Präsenz, die man nicht erklären muss –
man merkt sie einfach.
Später erfuhr ich von Kata,
dass er so etwas wie ihr spiritueller Vater war
und eine Verkörperung der violetten Flamme von Saint Germain.
Während ich innerlich noch sortierte,
was das jetzt genau bedeutete,
hörte Peter sich meine Frage an –
und wunderte sich kein bisschen.
Gar nicht.
Er antwortete ruhig, selbstverständlich…
und sagte dann einen Satz,
der mich kurz aus der Bahn warf:
„Du bist der Messenger.“
Ich nickte langsam.
Innerlich komplett überfordert.
„Natürlich bist du das“, hörte ich den Drachen sagen.
Ich warf ihm einen Blick zu.
„Hilfst du mir auch mal?“
Er schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Pause.
„Ich finde es viel interessanter, dir dabei zuzusehen, wie du es selbst herausfindest.“
Was auch sonst.
Ich verbrachte zwei Nächte bei ihnen.
Und irgendwann stand ich – fast beiläufig –
wieder auf dem Festgelände.
Direkt vor meiner ursprünglichen Gruppe.
Als wäre nichts gewesen.
Ich war verwirrt.
Und ehrlich gesagt auch ein bisschen sauer.
Ich setzte mich erst einmal zu Jane,
einer Australierin, die ich von der ersten Reise kannte.
Und während ich noch überlegte,
wie ich jetzt eigentlich reagieren sollte,
wurde ich bemerkt.
Te Porohau kam auf mich zu,
sichtlich erleichtert,
und sagte:
„Gott sei Dank bist du da.
Wir haben dich nicht mehr gefunden.“
Ich dachte nur:
Ja… ich euch auch nicht.
Ich war unsicher.
Sollte ich mich wieder anschließen?
Oder einfach mein eigenes Ding machen?
Er sah mich an und sagte:
„Du musst mitkommen.
Michael ist bei dir.
Und die Energie von Ägypten.“
Das klang jetzt nicht wirklich nach einer Diskussion.
Nach einigem inneren Hin und Her
ging ich wieder mit.
Und ab da…
wurde es noch spezieller.
Ich bekam Aufgaben.
Zum Beispiel:
„Morgen früh um 6 Uhr gehst du mit der Gruppe auf den Berg
und heilst meine Ahnen.“
Ich hatte nur noch Fragezeichen im Kopf.
Aber gut.
Ich weckte alle auf.
Wir gingen los.
Der Weg führte uns nach oben –
und endete…
auf einem Friedhof.
Dort standen wir dann.
Und jeder tat das,
was sich für ihn richtig anfühlte:
Beten.
Meditieren.
Rituale.
Zum Glück war Junko dabei.
Eine unglaublich weise Japanerin,
die ich bereits von früheren Reisen kannte.
Sie gab mir eine gewisse innere Ruhe.
So etwas wie:
Okay, wir machen das jetzt einfach.
Später sollte ich selbst ein Ritual im Meer anleiten.
In der Bay.
Sie erklärten mir, was zu tun war.
Und ich tat es.
Irgendwann stellte sich Te Porohau in einen Kreis.
Drei Frauen und ich sollten ihn „heilen“.
Er nannte uns:
„Sisters of the four winds.“
Ich dachte kurz:
Natürlich. Vier Winde. Klar.
Zum Abschluss wurde gesprochen, gesungen, geplant.
Immer wieder kam das Thema Zeit auf.
Und irgendwo in meinem Hinterkopf war da noch:
Mein Flug.
Der ging nämlich an diesem Tag.
Und wir hatten noch fünf Stunden Fahrt vor uns.
Es kam, wie es kommen musste.
Ich sah mein Flugzeug…
abheben.
„Perfekt“, sagte der Drache.
Ich starrte ihn an.
„Perfekt?!“
Er nickte zufrieden.
„Jetzt bist du endgültig raus aus deinem Plan.“
Pause.
„Ab hier wird’s spannend.“
Ich stand da und dachte:
Das passt jetzt auch noch.
Also ging alles wieder von vorne los.
Gruppe suchen.
Orientierung finden.
Ein bisschen Chaos.
Ein bisschen Verzweiflung.
Und plötzlich auch:
Heimweh.
Ich verbrachte die Nacht wieder mit der Gruppe.
Und am nächsten Tag kümmerte ich mich um einen neuen Flug.
Drei Menschen begleiteten mich zum Flughafenhotel
und blieben bei mir,
bis ich ins nächste Flugzeug steigen konnte.
Und ich dachte nur:
Was für eine Reise.
Und vielleicht war genau das der Punkt:
Es ging nie darum,
dass alles funktioniert.
Sondern darum,
dass ich immer wieder weitergehe.
Vertraue.
Und irgendwie… ankomme.
Als ich schließlich in meinem neuen Rückflug saß,
erschöpft, ein wenig durch den Wind und innerlich
noch immer irgendwo zwischen all den Erlebnissen unterwegs,
dachte ich, jetzt würde endlich so etwas wie Ruhe einkehren.
Das Flugzeug hob ab.
Ich lehnte mich zurück, atmete aus
und hatte zum ersten Mal seit Tagen das Gefühl,
einfach nur da zu sein.
Dann, kurz nach dem Start,
kam eine Stewardess den Gang entlang, blieb neben mir stehen und beugte sich leicht zu mir.
„Are you Mrs Graf?“
Ich sah sie überrascht an.
„Yes…“
Sie lächelte.
„Welcome back.“
Und ging einfach weiter.
Ich blieb einen Moment völlig regungslos sitzen.
Welcome back?
Ich drehte langsam den Kopf zur Seite.
Der Mann neben mir schaute mich an,
mit genau dem gleichen Gesichtsausdruck,
den ich vermutlich gerade selbst hatte.
Eine Mischung aus:
Habe ich das gerade wirklich gehört?
Und:
Was genau geht hier eigentlich vor sich?
Für einen kurzen Moment sagte keiner von uns etwas.
Dann musste ich leise lachen.
Natürlich.
Was auch sonst.
Und irgendwo, ganz leise, meldete sich eine vertraute Stimme:
„Ich habe dir doch gesagt…“
Pause.
„Es wird interessant.“
„Menschen nennen das spirituelle Reise.
Ich nenne das: freiwillig an die eigenen Grenzen gehen und hoffen, dass etwas Erleuchtung dabei rausfällt.“
Der Drache stand auf.
Seine Flügel bewegten sich leicht.
„Du denkst, es ging um Neuseeland.“
Er schüttelte den Kopf.
„Es ging um Vertrauen.“
Ein Schritt.
„Du denkst, es ging darum, gefunden zu werden.“
Noch ein Schritt.
„Es ging darum, weiterzugehen, obwohl dich niemand findet.“
Er sah mich an.
Ganz ruhig.
„Und genau deshalb… hast du gefunden.“
Der Drache würde sagen:
„In Neuseeland hast du gelernt zu vertrauen.
In Tibet wirst du lernen, warum.“
Tibet
Ich hatte einen Skype-Call mit Kata.
Sie erzählte mir von der Gruppe, mit der sie in Neuseeland gewesen waren. Sie hatten dort Peter Harrison und Walesi getroffen.
Dabei stellte sich heraus, dass der Kontakt, den ich dort geknüpft hatte, enorm wichtig für alles Weitere wurde.
Peter Harrison zeigte sich als Teil der Violetten Flamme und als Katas spiritueller Vater.
Sie erzählte mir von der Reise, wie perfekt alles gewesen war und was alles geschehen ist.
Und dann sagte sie, dass sie mit einer Gruppe nach Tibet gehen möchte.
Zum Mt. Kailash.
Und in genau diesem Moment hörte ich mich sagen:
„Ich komme mit.“
Ich hatte keine Ahnung, warum ich „Ich komme mit“ gesagt hatte.
Der Drache schon.
Er saß auf einem Stapel Gepäck und sah mich an.
„Das war nicht dein Verstand.“
„Das habe ich gemerkt.“
„Gut“, sagte er.
„Der ist für diese Reise auch völlig ungeeignet.“
Ich war völlig irritiert.
Ich wollte noch nie nach Tibet.
Und ich hatte keine Ahnung, was dieser Mt. Kailash überhaupt ist.
Und gleichzeitig war mir klar:
Da war etwas anderes.
Etwas, das einfach wusste.
Also habe ich mich tatsächlich auf den Weg gemacht.
Zu einer Reise des Erinnerns und Aktivierens,
die meinen Körper mehrmals an seine Grenzen gebracht hat.
Nach dieser Reise brauchte ich drei Monate,
um überhaupt wieder halbwegs fit zu werden.
Wir landeten in Kathmandu.
Eine völlig andere Welt.
Sehr geschäftig. Sehr lebendig.
Überall kleine Märkte, Tempel, Klöster.
Ein ständiges Kommen und Gehen.
Wir bereiteten uns auf die Reise zum Mt. Kailash vor.
Mit Tabletten gegen Höhenkrankheit,
mit einer Sauerstoffkammer
und mit einem professionellen, sehr erfahrenen Team von Einheimischen.
Wir flogen weiter nach Lhasa
und versuchten, uns zu akklimatisieren.
Mit eher mäßigem Erfolg.
Ich habe auf dieser Reise Unmengen an Aspirin genommen.
Die erste Station in Lhasa war der Potala-Palast des Dalai Lama.
Ein riesiges Areal.
Beeindruckend. Fast überwältigend.
In Tibet gibt es so etwas wie einen roten Faden.
Man merkt sehr schnell, dass man sich nicht einfach frei bewegt.
Man muss immer zu bestimmten Zeiten irgendwo sein
oder irgendwo wieder herauskommen.
Alles hat seinen Ablauf.
Die Besichtigung der riesigen Bibliothek
mit ihren heiligen Schriften
war sehr beeindruckend.
Und gleichzeitig kam mir ein Gedanke.
Oder vielleicht war es mehr ein Gefühl.
Man stellt sich unweigerlich vor,
was es noch alles geben könnte – verborgen,
in den entlegenen Gebieten dieses Landes.
Orte, an denen noch physische Dokumente existieren,
die eine längst vergessene Weisheit in sich tragen.
Wissen über alte Zivilisationen.
Über Dinge, die wir heute kaum noch einordnen können.
Lemuria. Atlantis.
Und es heißt, dass einige dieser verborgenen Bibliotheken
mit Zentren der Inneren Erde verbunden sind.
Über weitläufige Höhlensysteme.
Tief unter der Oberfläche.
Eines der beeindruckendsten Systeme
soll sich genau dort befinden,
wo der Potala-Palast erbaut wurde.
Daher auch der Name:
„Palast der Tausend Höhlen.“
Ich kann nicht sagen, was genau es war.
Aber dort zu stehen,
diese zeitlose Präsenz zu spüren,
dieses Gefühl von etwas, das schon immer da war…
das macht diesen Ort so besonders.
Und irgendwo in mir war wieder dieses leise Wissen:
Das hier ist erst der Anfang.
Nepal & Tibet – oder: Von Löwen, Yak-Kacke und Erleuchtung im Eiswasser
Wir waren in Klöstern, Tempeln und Gebäuden mitten in der Stadt, in denen Mönche Mantras sangen. Wir liefen herum – neugierig, wissbegierig.
Das Gebäude hatte mehrere Stockwerke und so etwas wie eine Dachterrasse. Jalal, unser teilnehmender Freund, kam panisch die Treppe von der Dachterrasse herunter und rief:
„Löwen! Da oben sind Löwen!“
Tina und ich waren so neugierig, dass wir natürlich sofort nach oben mussten.
Es waren zwei liebenswerte Chow-Chows, die dort lebten und von Jalal wahrscheinlich genauso erschrocken waren wie er von ihnen.
Am nächsten Tag führte unser Weg nach Shigatse, die zweitgrößte Stadt Tibets.
Das Tashilhunpo-Kloster in Shigatse beherbergt die berühmte, 26 Meter hohe goldene Maitreya-Statue. Dieser Raum, diese Statue – sie zogen mich magisch an.
Die Gruppe saß nach unserem Klosterbesuch schon beim Essen, als ich alleine wieder zurückging und nochmals Zeit mit der Statue verbrachte.
Wir wechselten zu Allradfahrzeugen. Es war sehr herausfordernd.
Manchmal fuhren wir bis zu 10 Stunden am Stück, um rechtzeitig an einer von Chinesen geführten Kontrollstelle anzukommen. Keine Rücksicht auf Höhenkrankheit oder langsames, vorsichtiges Akklimatisieren.
Die Straßen waren keine Straßen – nichts als Staub, Dreck, manchmal Flüsse, die zu überqueren waren, natürlich ohne Brücke oder Ähnliches.
Manchmal blieb unser Equipmentfahrzeug, ein LKW, einfach im Fluss stecken und die Crew musste mit vereinten Kräften versuchen, ihn wieder herauszuziehen.
Manchmal mussten wir Strecken auch zu Fuß zurücklegen oder durch eiskalte Flüsse laufen, um rechtzeitig anzukommen.
Die Höhenmeter wurden immer mehr, das Kopfweh stärker. Wir fuhren entlang ungesicherter Abgründe die so tief und so heftig waren, dass ich immer wieder die Augen schließen musste, um nicht panisch zu werden.
Anfangs hatten wir noch Übernachtungen in „Hotels“. Wir waren zu fünft im Zimmer, in der Mitte stand ein Ofen, der zu befeuern war.
Ich warf etwas in den Ofen.
Der Drache schnupperte.
„Interessante Brennmaterialwahl.“
Ich sah ihn an.
Dann in den Korb.
Dann wieder zu ihm.
Pause.
„Sag mir nicht…“
Er nickte.
„Doch.“
Die Toilette war ein Raum im Rohbau – ohne Wände, mit einem Loch im Boden. Alles fiel einfach eine Etage tiefer. Details erspare ich uns beiden.
Aber es sollte noch heftiger werden.
Ich hatte vorher schon überlegt, was wohl ein Badezimmerzelt aus unserer Reisebeschreibung sein könnte.
Wir waren jeweils zu zweit in einem Zelt zur Übernachtung untergebracht. Mittlerweile waren wir so hoch, dass es meist nass und kalt war. Morgens kam die Crew und brachte uns in einer kleinen Schüssel Wasser damit wir Zähne putzen und unser Gesicht waschen konnten, das wars.
Das Badezimmerzelt entpuppte sich als ein etwa 1 qm großes Zelt. Es war hoch genug, um darin zu stehen, und in der Mitte wurde einfach ein Loch gegraben. Mehr muss ich dazu wohl nicht beschreiben.
Während der Nacht kamen wie selbstverständlich Hunde zu unserem Lager. Sie wussten, dass sie, wenn sie die Nacht über Wache hielten, am nächsten Tag Futter bekommen würden.
Leider bellten sie die ganze Nacht durch, da sie ihre Aufgabe sehr ernst nahmen.
Es fiel mir enorm schwer, das Leben dieser Hunde einfach so hinzunehmen. Einige humpelten oder hatten sonstige Verletzungen. Ich hätte am liebsten alle gerettet und mitgenommen.
Auf einem Pass in 5600 m Höhe war direkt oben ein kleiner Markt mit allerlei Sachen. Im Vorbeifahren sah ich einen sehr speziell aussehenden Kristall, der wie nach mir rief.
Hört sich schräg an, ich kann es aber nicht besser beschreiben. Ich litt richtig darunter, dass wir nicht hielten und ich ihn mir nicht näher ansehen konnte.
Wir fuhren zwei bis drei Kilometer weiter und machten dann eine kleine Rast. Wir saßen im Gras, als Kata plötzlich sagte, wir müssten nochmals zurück zu diesem Pass.
Ich dachte nur: „Ja, danke.“
Kata wollte eine Meditation mit uns durchführen, doch wir liefen alle in unterschiedliche Richtungen auseinander – und ich natürlich direkt zu diesem Kristall.
Ich nahm ihn mit, und das sollte später noch eine tiefere Bedeutung bekommen, auf einer ganz anderen Reise.
Wir kamen an einem der Highlights unserer Reise an:
Der Manasarovar-See auf 4590 m im tibetischen autonomen Gebiet Ngari ist einer der höchsten Süßwasserseen der Welt und gilt als heiliger See für Hindus, Buddhisten, Jains und Bön-Anhänger.
Er liegt nahe dem Mt. Kailash, und Pilger führen dort Reinigungsbäder durch – was ich natürlich auch tun wollte.
Es war so entsetzlich kalt, dass innerhalb kurzer Zeit der Körper keinerlei Gefühl mehr hatte. Aber was macht man nicht alles für die Erleuchtung.
Damit es dann auch wirklich klappt, ging ich kurz darauf an einer weiteren Stelle nochmals alleine ins Wasser – bis ich kurz unterhalb der Wasseroberfläche eine tote Kuh entdeckte.
Dann war mein Badespaß vorbei, und ich beschloss, dass man es nicht übertreiben muss.
Unser nächster großer Stopp und Ziel war der Mt. Kailash.
Endlich – wir waren da.
In mir entstand jedoch nicht das erwartete beeindruckende Gefühl eines der spirituellsten Orte der Erde erreicht zu haben, sondern eher ein Wiedererkennen, ein Wieder-da-Sein.
Genauso wie dieses kleine Bön-Kloster, das dort war und mir so vertraut vorkam.
Pure Erinnerung – vielleicht auch die Aktivierung einer Energie.
Wir machten ein Ritual am Fuß des Berges, legten Essenzen und Kristalle in kleine Felsspalten. Kata bat mich, das Gayatri Mantra zu singen.
Und dieser Moment… war einfach tief. Ruhig. Echt.
Selbst der Drache sagte nichts.
Ich sah ihn an.
Er nickte nur leicht.
„Manche Orte“, sagte er leise,
„brauchen keine Kommentare.“
Unser Weg zurück war zwar viel kürzer, aber nicht weniger anstrengend.
Wir konnten keine Zelte aufstellen, da es viel geregnet hatte und kein Untergrund vorhanden war, der gehalten hätte.
Unser Team sorgte dafür, dass wir bei einem Nomadenstamm Unterschlupf fanden.
In einem riesigen Zelt, das so viele Löcher in der Decke hatte, dass ich problemlos den Sternenhimmel sehen konnte.
Wir übernachteten provisorisch in einem Frauenzelt mit einer alten Frau dieses Stammes, die die Party ihres Lebens hatte, indem sie jedes einzelne Tiegelchen Creme ausprobierte, das wir im Gepäck hatten.
Es war unglaublich familiär und herzlich.
Am nächsten Tag überquerten wir die Grenze zwischen Tibet und Nepal mit den Fahrzeugen.
Ein Teil der Straße war eingebrochen, und wir mussten alle die Fahrzeuge verlassen. Unsere Crew sorgte dafür, dass die Koffer auf der anderen Seite ankamen, während wir mit Rucksack einen Dschungelabhang neben Wasserfällen hinunterkletterten.
Zu Fuß überquerten wir dann die Grenze.
Ich hatte ein Déjà-vu. Mir war in diesem Moment ziemlich klar, dass ich auf diesem Weg schon einmal geflohen bin. Alte Emotionen fluteten meinen Körper, und ich wurde sehr, sehr traurig.
In Nepal angekommen, fuhren wir wieder weiter mit den Fahrzeugen.
Die Landschaft war atemberaubend schön: grüne Felsen, an denen massenhaft Wasserfälle hinunterströmten – unbeschreiblich.
Wie ein Geschenk nach all den Strapazen.
Wenn ich heute darauf zurückblicke, war diese Reise wahrscheinlich das Herausforderndste, was ich je erlebt habe – körperlich, emotional und auf eine Weise, die ich bis heute nicht vollständig erklären kann.
Einige Zeit später sprach ich einen meiner Lehrer darauf an. Er war bekannt für seine außergewöhnliche Wahrnehmung und hatte schon oft Dinge gesehen, die andere nicht erkennen konnten.
„Eine Heilpraktikerin hat mir einmal gesagt, dass ich seit meiner Geburt ein Loch in der Herzscheidewand hätte“, erzählte ich ihm. „Kannst du so etwas wahrnehmen? Ist es noch da?“
Er schaute mich einen Moment ruhig an und antwortete ganz selbstverständlich:
„Mach dir keine Sorgen. Es ist nicht mehr da.“
Dann lächelte er und fügte trocken hinzu:
„Sonst hättest du die Höhe in Tibet wohl kaum überlebt.“
Ich wußte nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Seine Antwort kam so selbstverständlich, als würde er über das Wetter sprechen. Für ihn schien die Sache völlig klar zu sein, während ich wieder einmal mit mehr Fragen als Antworten dastand.
Ob die Heilpraktikerin sich geirrt hatte, ob sich tatsächlich etwas verändert hatte oder ob es dafür eine ganz andere Erklärung gab – ich weiß es bis heute nicht. Doch seine Gelassenheit nahm mir jede Sorge. Und ehrlich gesagt gefiel mir der Gedanke, dass mein Herz vielleicht stärker war, als ich selbst immer geglaubt hatte.
Manchmal hatte ich das Gefühl, das Universum hätte beschlossen, mich nicht mehr nach meiner Meinung zu fragen. Es schickte einfach eine Einladung nach der anderen und erwartete offenbar, dass ich schon verstehen würde, warum.
Kaum war ich von einer Reise zurückgekehrt, stand schon die nächste vor der Tür. Während andere nach einem Urlaub erst einmal Koffer auspackten und wieder im Alltag ankamen, schien mein Leben zu sagen: „Schön, dass du wieder da bist. Pack den Koffer gleich wieder ein.“
Rückblickend wirkt vieles wie ein roter Faden. Damals fühlte es sich eher an wie ein Wollknäuel, das jemand mit geschlossenen Augen aufgewickelt hatte. Ich verstand oft nicht, warum ich an einen bestimmten Ort gerufen wurde, warum ich ausgerechnet diesen Menschen begegnete oder weshalb manche Situationen so vollkommen absurd verliefen. Erst Jahre später ergaben viele dieser Erlebnisse ein Bild.
Es waren nicht die spektakulären Orte, die mich verändert haben. Es waren die Begegnungen. Ein Māori, der mich mit einem einfachen Satz willkommen hieß, als würde er mich seit Jahrhunderten kennen. Ein Kogi Mama, der wortlos meine Hände an mein Herz legte. Ein ägyptischer Wachmann, der mich mit Maschinengewehr im Arm einfach nur umarmte. Ein Busfahrer, der anhielt, damit ich den Blick über eine Landschaft genießen konnte, als hätte die Zeit plötzlich ihre Bedeutung verloren.
Ich begann zu verstehen, dass Reisen nicht nur bedeuten, neue Länder kennenzulernen. Manchmal reist man durch die Geschichten anderer Menschen. Manchmal reist man durch die eigene Vergangenheit. Und manchmal hat man den Eindruck, dass die Seele schon längst angekommen ist, während der Körper noch versucht herauszufinden, wo auf der Landkarte er sich eigentlich befindet.
Mit jeder Reise wurde mein Vertrauen größer. Nicht, weil alles einfacher wurde – ganz im Gegenteil. Es blieb chaotisch. Flugzeuge wurden verpasst, Menschen verschwanden, Pläne lösten sich in Luft auf und manches brachte mich an den Rand der Verzweiflung. Aber immer wieder geschah etwas, das sich jeder Logik entzog und mich erkennen ließ: Ich war geführt.
Und so sagte ich immer öfter Ja, obwohl mein Verstand noch Nein flüsterte.
Denn eines hatte ich inzwischen gelernt: Die interessantesten Geschichten beginnen selten mit einem perfekten Plan. Sie beginnen meistens mit einem leisen Gefühl, das sagt:
„Geh einfach los.“
Bolivien und Peru
Der Blick der Sphinx
Die zweite Reise nach Ägypten begann leiser.
Kein großes Feld.
Keine vielen Menschen.
Kein Gefühl von „aufbrechen in etwas Unbekanntes“.
Es war enger geworden. Konzentrierter.
Kata hatte nur einen kleinen Kreis eingeladen – den inneren Kern.
Und sie schrieb mir, dass es diesmal nicht um Erleben ging.
Sondern um Wirken.
Mohammed hatte eines seiner Apartments in Kairo zur Verfügung gestellt.
Ein ungewöhnliches Angebot – und gleichzeitig genau passend.
Es war näher. Direkter. Weniger „Reise“ und mehr… Präsenz.
Wir waren zu viert im Appartement. Die Anderen im Hotel in der Nähe.
Und schon der erste Moment dort veränderte etwas.
Vom Gäste-WC aus sah man direkt auf die Sphinx.
Und dahinter – die Pyramiden.
Nicht als Postkarte.
Nicht als Sehenswürdigkeit.
Sondern als etwas, das einfach da war.
Still. Wach. Zeitlos.
Ich stand dort einen Moment länger als nötig.
Und ohne es greifen zu können, war da dieses Gefühl:
Du bist nicht zum ersten Mal hier.
Der erste Tag auf dem Gizeh-Plateau war… ernüchternd.
Laut.
Überfüllt.
Touristen, Kamele, Verkäufer, Stimmen – alles gleichzeitig.
Es fühlte sich fast falsch an.
Als würde etwas Heiliges überdeckt werden von zu viel Bewegung, zu viel Lärm, zu viel Oberfläche.
Kata suchte einen Ort für eine Meditation.
Aber egal, wohin wir gingen – es gab keinen Raum.
Keine Ruhe.
Kein „Hier“.
Also lief ich ein Stück weg.
Einfach, um kurz durchzuatmen.
Und genau in diesem Moment kam er auf mich zu.
Ein Ägypter.
Direkt. Zielgerichtet. Fast ein bisschen aufgeregt.
„Ich weiß genau, wo ihr hin solltet.“
Ich blieb stehen.
Mein erster Gedanke war ehrlich gesagt nicht besonders spirituell.
Eher:
Okay… was will er dafür?
Aber er ließ nicht locker.
Da war etwas in seiner Art, das nicht nach Geschäft klang.
Also holte ich Kata.
Und wir gingen mit.
Er führte uns ein Stück abseits.
Weg vom Trubel.
Zu einem unscheinbaren Zugang.
Dann zeigte er nach unten.
Eine Leiter.
Wir stiegen hinab.
Und plötzlich… war alles still.
Ein Raum, tiefer gelegen.
Abgeschirmt.
Fast vergessen.
Die Energie dort war sofort anders.
Weicher.
Klarer.
Tragend.
Ich spürte, wie sich in mir etwas entspannte, das ich vorher gar nicht bewusst angespannt hatte.
Und gleichzeitig kam ein Gedanke, ganz ruhig, fast wie eine Korrektur:
Nicht alles hier ist laut.
Du musst nur wissen, wo du schauen musst.
Oder… wer dich führt.
Als ich wieder nach oben kam, war da auch ein Stück Demut.
Ich hatte vorschnell gedacht.
Bewertet.
Und wurde eines Besseren belehrt.
Ägypten ist nicht nur das, was man sieht.
Es ist auch das, was dich sieht.
Später an diesem Tag gingen wir als ganz normale Besucher in die Cheops-Pyramide.
Diesmal war es anders.
Ich kannte sie aus der Nacht.
Aus der Stille.
Aus dieser fast unwirklichen Leere.
Und jetzt…
Menschen.
Wachen.
Bewegung.
Sobald man stehen blieb, wurde man weitergeschoben.
Kaum Raum, um überhaupt wahrzunehmen, was da ist.
Es fühlte sich fast unangenehm an.
Als würde man ständig aus etwas herausgerissen werden, bevor man überhaupt darin ankommen kann.
Ich merkte, wie ich innerlich dagegen arbeitete.
Immer wieder versuchte, einen Moment zu halten.
Zu fühlen.
Zu lauschen.
Und jedes Mal wurde ich weitergeschickt.
Weiter.
Weiter.
Weiter.
Es war fast wie ein Spiegel.
Nicht alles lässt sich erzwingen.
Und nicht jeder Ort öffnet sich, wenn man es will.
In der Nacht kehrten wir zurück.
Und alles veränderte sich.
Wieder diese Stille.
Wieder diese Weite.
Und vor allem:
Wieder allein.
Die Räume gehörten uns.
Und als wir in die unterirdische Kammer gingen, wusste ich sofort:
Das ist der Moment, auf den ich gewartet habe.
Doch der Weg dorthin…
war immer noch derselbe.
Dieser enge Tunnel.
70 mal 70 Zentimeter.
Kein Platz.
Kein Ausweichen.
Nur vorwärts.
Langsam.
Konzentriert.
Mit jedem Atemzug ein bisschen bewusster.
Und trotzdem…
war es diesmal anders.
Nicht leichter im Körper.
Aber ruhiger im Inneren.
Ich wusste, was kommt.
Ich wusste, warum ich dort hin will.
Und vielleicht macht genau das den Unterschied.
Nicht der Weg wird leichter.
Aber man selbst wird klarer.
In der Kammer angekommen, war da wieder dieses Gefühl von Tiefe.
Von etwas, das nicht laut ist – aber unübersehbar.
Und zum ersten Mal auf dieser Reise blieb mein Körper ruhig.
Ich wurde nicht krank.
Gar nicht.
Als hätte sich etwas entschieden:
Diesmal darfst du bleiben.
Meine Abreise…
war wieder eine Geschichte für sich.
Ich erzählte unserem Guide von meinem Erlebnis beim ersten Mal – dem falschen Flughafen, dem Chaos.
Er hörte mir aufmerksam zu.
Sehr ruhig.
Und sagte dann, mit einem Gesichtsausdruck, der plötzlich ernst wurde:
„Bitte erzähle das nicht Mohammed. Sonst bin ich gefeuert.“
Ich musste kurz lachen.
Und gleichzeitig war da dieses Gefühl:
Er meint das wirklich ernst.
Also ließ ich es dabei.
Diesmal, dachte ich, wird alles glatt laufen.
Ich war am richtigen Flughafen.
Früh genug da.
Alles vorbereitet.
Und dann stand ich vor einer Sicherheitskontrolle.
Noch bevor überhaupt die Schalter der Airline kamen.
Ungewöhnlich… aber gut.
Der Wachmann sagte mir, ich solle alles auf das Band legen.
Auch meine Papiere.
Ich tat es.
Und wollte durchgehen.
Doch er hielt mich auf.
„Ihre Papiere.“
Ich sah ihn an.
„Die habe ich gerade auf das Band gelegt.“
Er schüttelte den Kopf.
„So kommen Sie hier nicht durch.“
In diesem Moment kippte etwas.
Mein Kopf wurde laut.
Gedanken überschlugen sich.
Meine Papiere.
Mein Geld.
Alles war hinter dieser Kontrolle.
Und ich stand davor.
Alleine.
Und dieser Mann… wusste genau, was er tat.
Ich spürte Panik.
Aber darunter… war etwas anderes.
Eine Klarheit.
Ein Punkt in mir, der sagte:
Wenn du jetzt gehst, verlierst du alles.
Also blieb ich stehen.
Ich, 1,62.
Er, gefühlt zwei Meter.
Und ich bewegte mich keinen Zentimeter.
Keine Diskussion mehr.
Kein Erklären.
Nur Präsenz.
Ich gehe hier nicht weg.
Sekunden wurden lang.
Sehr lang.
Dann… gab er nach.
Winkte mich durch.
Einfach so.
Ich ging.
Holte meine Sachen.
Und erst ein paar Schritte weiter merkte ich, wie mein Körper wieder zu atmen begann.
Später dachte ich lange darüber nach.
Was ist das mit diesem Land?
Warum diese Extreme?
Diese Prüfungen?
Diese Intensität?
Und die einzige Antwort, die sich wirklich stimmig anfühlte, war keine logische.
Sondern eine leise, innere:
Du kennst das hier.
Und vielleicht…
kennt es auch dich.
Der Drache hatte die ganze Zeit geschwiegen.
Was ungewöhnlich war.
Erst als ich im Flugzeug saß, meldete er sich.
Ganz ruhig.
„Du hast es gemerkt, oder?“
Ich sah aus dem Fenster.
„Was genau?“
Eine kurze Pause.
Dann sagte er:
„Ägypten testet nicht deinen Verstand.“
Seine Stimme war weich, aber klar.
„Es testet deine Präsenz.“
Ich schwieg.
Und diesmal wusste ich:
Er hat recht.
„Und du“, fügte er hinzu, „fängst langsam an, zu bleiben.“
Meine Reise geht weiter
Kaum war ich wieder zu Hause, glaubte ich für einen kurzen Moment, mein Leben würde wieder in geordnete Bahnen zurückfinden. Koffer auspacken, Wäsche waschen, arbeiten gehen. So machen das vernünftige Menschen nach einer Reise.
Offenbar gehörte ich nicht dazu.
Es dauerte nie lange, bis die nächste Einladung auftauchte. Manchmal in Form einer E-Mail, manchmal als Anruf und manchmal einfach als dieses leise, aber hartnäckige Gefühl, dass irgendwo auf der Welt etwas auf mich wartete. Mein Kopf stellte regelmäßig dieselbe Frage: „Bist du eigentlich völlig verrückt geworden?"
Mein Herz antwortete nie mit Worten. Es zog einfach schon los.
Mit jeder Reise wurde mir klarer, dass ich nicht unterwegs war, um Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Ich sammelte keine Länder. Ich sammelte Begegnungen. Menschen, deren Namen viele nie gehört hatten, und Momente, die sich kaum erklären lassen. Manche dauerten nur wenige Minuten und veränderten trotzdem etwas in mir, das bis heute geblieben ist.
Je weiter ich reiste, desto weniger schien es um das Außen zu gehen. Die eigentliche Reise führte immer weiter nach innen. Und genau dort warteten die größten Abenteuer.
Wenn ich heute auf diese Jahre zurückblicke, wirkt vieles wie eine Aneinanderreihung unglaublicher Zufälle. Doch irgendwann hörte ich auf, an Zufälle zu glauben. Es gab einfach zu viele davon.
Und so packte ich immer wieder meinen Koffer. Meist mit viel zu wenig Schlaf, manchmal mit Fieber, gelegentlich mit einem mulmigen Gefühl und fast immer alleine. Allein loszufliegen hatte mich früher Überwindung gekostet. Irgendwann wurde genau das zu meiner Normalität. Die Welt war längst nicht mehr fremd. Sie fühlte sich an wie ein riesiges Mosaik, in dem ich nach und nach die fehlenden Steine wiederfand.
Ich ahnte damals nicht, dass die nächsten Jahre mich an Orte führen würden, von denen ich bis dahin nur gelesen hatte – zu den Waitahas nach Neuseeland, in die Cheops-Pyramide, nach Nepal und Tibet, zu den Kogis, zu den Arhuacos und schließlich nach Moorea, wo sich ein Traum erfüllen sollte, der viele Jahre zuvor ganz leise begonnen hatte.
Meine Reise ging weiter. Und mit jedem Schritt wurde sie weniger zu einer Reise um die Welt – und immer mehr zu einer Reise zu mir selbst.
Mein Verstand versuchte zwar noch tapfer, sämtliche Gegenargumente aufzuzählen: „Schon wieder verreisen? Noch einmal diese Höhe? Bist du eigentlich völlig verrückt?“ Aber gegen meinen Herzenswunsch hatte er keine Chance. Die Vorstellung, einmal auf dem Machu Picchu zu stehen, war einfach zu groß. Also gewann – wie so oft – das Herz.
Bolivien – Das Tor zu einer alten Welt
Die Gruppe traf sich in einem kleinen Hotel in La Paz. Es war jedes Mal wie ein Wiedersehen mit einer großen internationalen Familie. Menschen aus allen Teilen der Welt kamen zusammen, viele kannte ich bereits von früheren Reisen. Obwohl wir ausschließlich Englisch sprachen und ich mich dabei manchmal ganz schön anstrengen musste, spielte das letztlich keine große Rolle. Im Herzen verstanden wir uns ohnehin.
Unsere Gruppe bestand aus 33 Teilnehmern. Einige kamen direkt aus Bolivien, darunter ein Arzt und ein hoch angesehener Schamane der Aymara, der unsere Reise mit seinen Ritualen begleitete. Seine ruhige Präsenz verlieh den alten Kraftorten noch einmal eine ganz besondere Tiefe.
Unser erster Weg führte uns nach Tiwanaku, der heiligen Stadt der Aymara. Schon beim Betreten dieses geschichtsträchtigen Ortes spürte ich eine ganz besondere Atmosphäre. Die gewaltige Akapana-Pyramide erhob sich vor uns, und während wir still zwischen den alten Steinen standen, hatte ich das Gefühl, als würde dieser Platz eine pulsierende Kraft ausstrahlen. Es war, als würden sich Körper und Geist gleichzeitig mit neuer Energie füllen.
Von dort aus besuchten wir weitere Zeremonialplätze, unter anderem Kantatallita und das sogenannte Semi-Subterranean Temple, dessen Mauern von unzähligen in Stein gemeißelten Gesichtern geprägt sind. Riesige Monolithen und jahrtausendealte Steinblöcke erzählten von einer Kultur, über die wir bis heute nur einen kleinen Teil verstehen.
Schließlich erreichten wir das berühmte Sonnentor. Viele Menschen sehen in ihm das spirituelle Herz von Tiwanaku. Wir gingen schweigend hindurch. Jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Manche Momente brauchen keine Worte.
Der Tag war lang gewesen. Am Abend mussten wir noch die Fähre über den Titicacasee nehmen, um nach Copacabana zu gelangen. Erschöpft, aber voller Eindrücke, erreichten wir schließlich unser Hotel am Ufer des Sees. Während draußen langsam die Dunkelheit hereinbrach, hatte ich das Gefühl, dass diese Reise gerade erst begonnen hatte.
Am nächsten Morgen überquerten wir die Grenze nach Peru. Unser Ziel war einer der geheimnisvollsten Orte der gesamten Reise: Aramu Muru.
Schon von Weitem wirkte die gewaltige Felswand beeindruckend. Mitten im Felsen befindet sich eine rechteckige, türähnliche Vertiefung – ein Tor, das scheinbar ins Nichts führt. Die Menschen vor Ort erzählen seit Generationen Geschichten über diesen Platz. Sie berichten von einem Hohepriester, der mit der legendären Sonnenscheibe von Mudurch dieses Tor in verborgene Welten oder unterirdische Bereiche des Titicacasees eingetreten sein soll.
Ob diese Überlieferungen historisch nachweisbar sind oder nicht, spielte in diesem Moment keine Rolle.
Als ich vor diesem monumentalen Felsen stand, verstand ich, warum dieser Ort für viele Menschen als einer der kraftvollsten Plätze Südamerikas gilt. Es war weniger das, was man mit den Augen sah, sondern vielmehr das, was man dort empfand. Eine tiefe Stille lag über dem Platz. Die Felsen schienen Geschichten zu bewahren, die längst älter waren als unsere Geschichtsbücher.
Ich blieb lange einfach nur stehen, legte meine Hand auf den warmen Stein und ließ diesen besonderen Ort auf mich wirken. Manche Plätze verlangen nichts von uns. Sie möchten nur, dass wir für einen Moment still werden.
Copacabana – Eigentlich wollte ich nur shoppen...
Nach den intensiven Tagen in Bolivien gönnten wir unseren Körpern eine kleine Pause. Einen Tag Akklimatisierung in Copacabana – nicht die in Rio, sondern die am Titicacasee. Mein Körper war dankbar. Die Höhe war immer noch deutlich zu spüren, und ich hatte inzwischen großen Respekt vor ihr entwickelt.
Ich beschloss, diesen freien Tag einmal ganz unspirituell zu verbringen.
Ich wollte shoppen.
Zwischen den kleinen Gassen reihten sich unzählige Stände und Geschäfte aneinander. Wunderschöne Alpaka-Pullover, handgearbeiteter Silberschmuck, bunte Stoffe und Kunsthandwerk – ich hätte wahrscheinlich einen zweiten Koffer kaufen können. Zum Glück meldete sich irgendwann meine Vernunft. Oder vielleicht war es einfach der Gedanke, dass ich alles auch wieder nach Deutschland schleppen musste.
Natürlich blieb ich trotzdem nicht lange vernünftig.
Wie hätte es auch anders sein können, entdeckte ich einen Kristallladen.
Eigentlich wollte ich nur mal kurz hineinschauen.
Ein gefährlicher Satz.
Schon am Eingang fiel mein Blick auf eine Condorfeder. Sofort musste ich an Arizona denken. An den Tanz des Adlers und des Kondors. Manche Erinnerungen brauchen nur einen einzigen Gegenstand, um plötzlich wieder ganz lebendig zu werden.
Die Feder durfte natürlich mit.
Ich war gerade dabei, mich selbst zu loben, weil ich dieses Mal wirklich Maß gehalten hatte, als mein Blick in eine dunkle Ecke des Ladens fiel.
Dort stand sie.
Eine Kristallstufe.
Nicht besonders groß, aber irgendwie... lebendig. Sie schimmerte in einem warmen, leicht goldgelben Licht. Je länger ich sie ansah, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass eigentlich nicht ich den Kristall gefunden hatte, sondern der Kristall mich.
Ich stand eine ganze Weile davor und führte die übliche Diskussion mit meinem Verstand.
„Nein."
„Doch."
„Wie willst du das Ding heil nach Deutschland bringen?"
„Keine Ahnung."
„Du hast sowieso schon viel zu viel Gepäck."
„Stimmt."
„Dann lass ihn hier."
...
Fünf Minuten später bezahlte ich den Kristall.
Manchmal führt der Verstand erstaunlich lange Selbstgespräche, obwohl das Herz die Entscheidung längst getroffen hat.
Im Hotel begegnete ich Kata. Stolz zeigte ich ihr meinen neuen Schatz.
Sie betrachtete den Kristall einen langen Moment. Dann wurde sie ungewöhnlich still.
Schließlich sagte sie mit ruhiger Stimme:
„This is the City of Light.“
Ich schaute sie etwas irritiert an.
Sie hielt den Kristall noch einen Augenblick in den Händen und fragte dann:
„Bist du dir bewusst, welche Verantwortung damit verbunden sein könnte? Glaubst du, dass du bereit bist, Hüter dieses Kristalls zu sein? Er ist etwas sehr Besonderes.“
Mit dieser Antwort hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.
Ehrlich gesagt hatte ich gehofft auf so etwas wie:
„Oh, den kenne ich. Wunderschöner Kristall.“
Stattdessen stand ich plötzlich da und fragte mich, ob ich gerade eben beim entspannten Einkaufsbummel versehentlich die Verantwortung für irgendetwas übernommen hatte, von dem ich überhaupt keine Ahnung hatte.
Ich sah meinen Kristall an.
Er sah ausgesprochen friedlich aus.
Ganz ehrlich... er wirkte nicht so, als hätte er vorgehabt, mein Leben komplizierter zu machen.
Aber offenbar hatte er andere Pläne.
Am nächsten Morgen erzählte ich Tina von meinem außergewöhnlichen Einkauf. Tina war mir auf diesen Reisen sehr ans Herz gewachsen. Sie gehörte zu den Menschen, mit denen man auch schweigend zusammensitzen konnte, ohne dass es unangenehm wurde.
Als sie den Kristall sah, war sie genauso fasziniert wie ich.
„Den Laden musst du mir zeigen!“, sagte sie begeistert.
„Kein Problem“, antwortete ich selbstbewusst. „Den finde ich wieder.“
Rückblickend hätte ich mit solchen Aussagen vielleicht etwas vorsichtiger sein sollen.
Wir stiegen in einen kleinen Bus und fuhren zurück in die Straße, in der ich am Vortag unterwegs gewesen war. Ich war mir absolut sicher. Hier mussten wir entlanggelaufen sein. Dort war der Platz gewesen, an dem ich die Condorfeder gekauft hatte. Und gleich daneben...
...war nichts.
Wir liefen die Straße auf und ab.
Einmal.
Zweimal.
Wir fragten nach.
Nichts.
Der Kristallladen war verschwunden.
Nicht geschlossen.
Nicht versteckt.
Nicht umgezogen.
Er war einfach... nicht da.
Ich blieb mitten auf der Straße stehen und begann ernsthaft an meinem Orientierungssinn zu zweifeln. Zugegeben, das wäre grundsätzlich keine große Überraschung gewesen. Mein Talent, mich in fremden Städten zu verlaufen, hatte ich bereits mehrfach unter Beweis gestellt.
Aber dieses Mal war ich wirklich sicher gewesen.
Tina schaute mich an, ich schaute Tina an.
Wir mussten beide lachen.
„Na toll“, sagte ich. „Jetzt glaubt mir das erst recht keiner.“
Bis heute habe ich keine Erklärung dafür.
Vielleicht war ich tatsächlich in der falschen Straße.
Vielleicht hatte der Laden nur für einen Tag geöffnet.
Vielleicht spielte mir die Höhe einen Streich.
Oder vielleicht gibt es Dinge, die sich nicht mit Landkarten erklären lassen.
Ich weiß nur eines:
Der Kristall steht heute noch bei mir.
Den Laden habe ich nie wieder gefunden.
11.11.2011 – Lake Titicaca
Der 11.11.2011.
Allein dieses Datum hatte für viele in unserer Gruppe eine besondere Bedeutung. Unser Ziel war es, mitten auf dem Titicacasee ein gemeinsames Ritual zu feiern. Die Überlieferungen der Menschen vor Ort erzählen von einer besonderen Verbindung dieses Ortes mit der legendären Disc of Mu, einer alten spirituellen Symbolik, die in manchen Traditionen mit dem Titicacasee verbunden wird.
Ob Legende oder Wirklichkeit – für mich spielte das in diesem Moment keine Rolle.
Ich freute mich einfach auf diesen Tag.
Das Wasser war leicht bewegt, als wir gemeinsam in das Boot stiegen. Der Wind war frisch, und der See wirkte unendlich. Es lag eine feierliche Stille über unserer Gruppe. Jeder schien zu spüren, dass dieser Tag etwas Besonderes werden würde.
Dabei musste ich immer wieder an einen Kristall denken, der mich schon seit Jahren begleitete.
Ein Amethyst-Kaktusquarz.
Ich hatte ihn damals während meiner Reise nach Tibet gekauft – auf einem Pass in über 5.600 Metern Höhe. Warum ich ihn unbedingt haben wollte, konnte ich damals selbst nicht erklären. Er musste einfach mit.
Doch kaum war ich wieder zu Hause angekommen, geschah etwas Merkwürdiges.
Der Kristall sprach mich überhaupt nicht mehr an.
Er stand einfach da.
Still.
Als hätte sich jede Verbindung zwischen uns aufgelöst.
Ich verstand das nicht.
Erst als ich von dieser Reise nach Bolivien und Peru erfuhr, wusste ich plötzlich mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit:
Der Kristall muss mit.
Warum, konnte ich nicht sagen.
Aber dieses Gefühl war eindeutig.
Je näher wir dem Titicacasee kamen, desto deutlicher wurde mir, dass dieser Kristall nie wirklich für mich bestimmt gewesen war.
Ich war lediglich seine Reisebegleiterin.
Oder, etwas nüchterner ausgedrückt, sein Transportservice.
Manchmal frage ich mich bis heute, was mein Verstand wohl über solche Gedanken gedacht hätte. Vermutlich hätte er die Augen verdreht.
Doch mein Herz war sich erstaunlich sicher.
Mitten auf dem See begann schließlich das Ritual.
Der Kristall wurde von Hand zu Hand gereicht. Jeder hielt ihn einen Moment lang fest. Manche schlossen die Augen, andere sprachen leise ein Gebet oder schickten einfach ihre Gedanken mit auf den Weg.
Für mich symbolisierte dieser Kristall die kraftvolle, männliche Energie Tibets.
Der Titicacasee dagegen fühlte sich für mich an wie reine weibliche Energie – weich, nährend und zugleich unendlich kraftvoll.
Als der Kristall schließlich in die Mitte des Sees gegeben wurde und langsam in den Tiefen verschwand, überkam mich eine tiefe Ruhe.
Es fühlte sich nicht wie ein Abschied an.
Sondern wie eine Heimkehr.
Ich hatte den Kristall nie wirklich besessen.
Ich durfte ihn nur ein Stück seines Weges begleiten.
Und genau dafür war er wohl zu mir gekommen.
Isla del Sol – Manchmal kommt man anders an als geplant
Unsere Unterkunft für die Nacht lag auf der Isla del Sol, der Sonneninsel mitten im Titicacasee. Schon der Name klang verheißungsvoll. Nach diesem besonderen Tag auf dem Wasser freute ich mich auf einen ruhigen Abend und ein gemütliches Bett.
Das Universum hatte allerdings einen etwas anderen Plan.
Je näher wir der Insel kamen, desto unruhiger wurde der See. Die Wellen wurden höher und unser Boot schaukelte inzwischen ganz ordentlich. Der Bootsführer entschied schließlich, nicht den vorgesehenen Anlegeplatz anzusteuern. Zu gefährlich.
Stattdessen setzte er uns am anderen Ende der Insel ab.
„Kein Problem“, dachte ich noch.
Ein Satz, den ich auf meinen Reisen inzwischen mit einer gewissen Vorsicht benutzte.
Von dort aus mussten wir den gesamten Weg zu unserem Hotel zu Fuß zurücklegen. Etwa acht Kilometer. Eigentlich keine dramatische Entfernung – wenn man ausgeschlafen ist, keine Höhe spürt, der Weg gut ausgeschildert ist und die Sonne scheint.
Bei uns war es genau umgekehrt.
Es wurde langsam dunkel. Der Vollmond tauchte die Insel in ein silbriges Licht, das wunderschön aussah, aber leider keine Wegweiser ersetzte. Die schmalen Pfade verliefen teilweise dicht an steilen Abhängen entlang. Mal ging es bergauf, mal bergab, und irgendwann wusste ich nicht mehr, ob ich noch lief oder nur noch automatisch einen Fuß vor den anderen setzte.
Ich war müde, die Höhe machte sich bemerkbar, und mein Rucksack schien unterwegs heimlich beschlossen zu haben, doppelt so schwer zu werden.
Als wir endlich das Hotel erreichten, war ich einfach nur glücklich.
Ich hatte es geschafft.
Dann bekam ich meinen Zimmerschlüssel.
Ein Einzelzimmer.
Ausgerechnet ich.
Eigentlich mochte ich auf diesen Reisen die Mehrbettzimmer viel lieber. Irgendjemand schnarchte zwar fast immer, aber man war nicht allein. An diesem Abend hätte ich sogar das Schnarchen mit Kusshand genommen.
Nun saß ich allein in meinem Zimmer auf einer kleinen Insel mitten im Titicacasee und fragte mich ernsthaft, warum mir das plötzlich so unheimlich vorkam.
Irgendwann musste ich über mich selbst lachen.
Da reist man um die halbe Welt, steht in Tempeln, besucht uralte Kraftorte, fährt mit Booten über den Titicacasee – und ausgerechnet ein Einzelzimmer bringt einen aus dem Gleichgewicht.
Am nächsten Morgen war die Welt zum Glück wieder in Ordnung.
Unsere Reise führte weiter zur Isla de la Luna, der Mondinsel. Schon die Überfahrt dorthin war ruhig und friedlich, als hätte der See beschlossen, sich wieder von seiner sanften Seite zu zeigen.
Zurück in Copacabana hieß es schließlich Abschied nehmen.
Ein Teil unserer Gruppe trat die Heimreise an.
Für uns andere begann das nächste Abenteuer.
Ein komfortabler Reisebus wartete bereits auf uns und brachte uns weiter nach Peru.
Ich schaute noch einmal zurück auf den Titicacasee.
Es war einer dieser Orte, von denen man sich nur körperlich entfernt.
Ein Teil von mir blieb dort zurück.
Vor vielen Jahren landete ich in einem Online-Portal, das mir eine scheinbar harmlose Frage stellte:
„Welche fünf Dinge möchtest du in deinem Leben unbedingt erleben?“
Ich dachte mir nicht viel dabei und schrieb einfach drauflos:
Cheops-Pyramide
Kogi Mama
Machu Picchu
Mit Delfinen schwimmen
Moorea
Dann verschwand die Liste irgendwo in den Tiefen des Internets – und aus meinem Gedächtnis.
Jahre später fiel sie mir zufällig wieder in die Hände.
Ich begann zu lesen … und bekam Gänsehaut.
Denn die ersten drei Punkte hatte ich inzwischen tatsächlich erlebt.--- was ich nie für möglich gehalten hatte.
„Mit Delfinen schwimmen“ ließ ich nicht länger auf der Warteliste meines Lebens stehen und setzte es kurzerhand um.
Und jetzt fehlt nur noch ein letzter Punkt:
Moorea.
Im Jahr 2026 werde ich auf dieser magischen Insel stehen – und ich bin unglaublich gespannt, welche Überraschungen sie für mich bereithält.
Das Verrückte daran?
Als ich diese Liste damals schrieb, hätte ich über jeden gelacht, der behauptet hätte, dass all das einmal Wirklichkeit werden würde.
Heute sehe ich das völlig anders.
Vielleicht sind unsere Wünsche, wenn sie aus dem Herzen kommen, gar keine Träumereien.
Vielleicht sind sie Erinnerungen an Möglichkeiten, die bereits darauf warten, gelebt zu werden.
Und vielleicht sind wir in unserer Schöpferkraft viel mächtiger, als wir es uns jemals erlaubt haben zu glauben.
Seitdem überlege ich übrigens sehr genau, was ich auf meine Wunschlisten schreibe …
Man weiß ja nie, wer da oben heimlich mitliest.
Vor vielen Jahren wurde ich in einem Online Portal aufgefordert,
die 5 Dinge anzugeben,
die ich in meinem Leben tun möchte.
Jahre später fand ich diese Liste zufällig wieder,
ich hatte schon lange ihre Existenz vergessen
darauf stand:
CheopsPyramide
Kogi Mama
Macchu Picchu
mit Delfinen schwimmen
Moorea
Die ersten 3 waren bis dahin eingetroffen,
mit Delfinen schwimmen hatte ich beschlossen sofort umzusetzen
und Moorea werde ich jetzt 2026 erleben und bin unglaublich gespannt,
was diese Insel für mich bereit hält.
Ich dachte beim Erstellen nicht einmal ansatzweise, dass irgend etwas davon in Erfüllung gehen wird.
Mittlerweile bin ich überzeugt,
dass wir in unseren Kreationen sehr sehr viel stärker und mächtiger sind, als wir es uns vorstellen können.
Epilog des Drachen
Wenn ich heute auf diese Reise zurückblicke, muss ich manchmal lächeln.
Sie dachte damals, sie würde Seminare besuchen.
Reisen machen.
Menschen treffen.
In Wirklichkeit tat sie etwas ganz anderes.
Sie begann, sich zu erinnern.
Und ich hatte das große Vergnügen, sie dabei zu begleiten.
Nicht als Lehrer.
Nicht als Retter.
Sondern als Drache.
Und glaub mir – Drachen lieben gute Geschichten.
Und diese hier…
hat gerade erst begonnen.
Der Abend war still.
Es war einer dieser seltenen Momente im Leben, in denen nichts mehr getan werden musste. Keine Reise war geplant, kein Seminar begann am nächsten Morgen, keine Entscheidung wartete ungeduldig auf eine Antwort.
Die Welt war einfach… ruhig.
Ich saß da und ließ die vielen Jahre an mir vorbeiziehen.
Die Menschen, denen ich begegnet war.
Die Orte, an denen ich geweint hatte, ohne zu wissen warum.
Die Momente, in denen sich plötzlich etwas in meinem Inneren geöffnet hatte, als würde sich eine alte Tür wieder erinnern, wie man sich bewegt.
Und während ich so dasaß, tauchte eine vertraute Präsenz auf.
Nicht plötzlich.
Eher so, wie jemand, der schon lange im Raum ist und sich jetzt einfach wieder bemerkbar macht.
„Na“, sagte eine Stimme, die ich inzwischen sehr gut kannte.
„Du siehst aus, als würdest du dein eigenes Leben betrachten.“
Ich lächelte.
„Vielleicht tue ich das.“
Eine kurze Pause.
„Und?“, fragte der Drache.
„Hat es sich gelohnt?“
Ich dachte nach.
Dann nickte ich langsam.
„Ja.“
Der rosa Drache – Amaru – setzte sich neben mich, als wäre das das Natürlichste der Welt. Seine Schuppen schimmerten leicht im warmen Licht des Abends, irgendwo zwischen Rosa und Gold.
„Weißt du“, sagte ich schließlich, „eine Frage habe ich mir all die Jahre gestellt.“
Er sah mich an, ohne etwas zu sagen.
„Warum warst du eigentlich da?“
Der Drache hob eine Augenbraue – oder zumindest das, was bei Drachen einer Augenbraue am nächsten kommt.
„Das hat aber lange gedauert, bis du das fragst.“
Ich lachte leise.
„Also?“
Er schwieg eine Weile.
Nicht, weil er die Antwort nicht wusste.
Sondern weil manche Antworten Zeit brauchen, bevor sie ausgesprochen werden.
Dann sagte er:
„Menschen glauben immer, sie würden ihren Weg alleine gehen.“
Er legte den Kopf leicht schief.
„Aber in Wirklichkeit wird jeder Mensch auf irgendeine Weise begleitet.“
Ich sah ihn an.
„Von Drachen?“
Er lachte.
„Oh nein. So wichtig sind wir nun auch wieder nicht.“
Eine kurze Pause.
„Manche werden von Erinnerungen begleitet. Manche von Träumen. Manche von einer inneren Stimme, die sie immer wieder zurück zu ihrem Herzen ruft.“
Seine Augen funkelten.
„Und manchmal… bekommen sie einen Drachen.“
Ich ließ seine Worte eine Weile wirken.
Dann fragte ich leise:
„Warum ich?“
Der Drache streckte seine Flügel ein wenig, als müsste er eine sehr einfache Wahrheit erklären.
„Weil du zugehört hast.“
Ich runzelte die Stirn.
„Das tun doch viele Menschen.“
Er schüttelte den Kopf.
„Nein. Viele Menschen hören nur so lange zu, bis ihr Verstand wieder anfängt zu reden.“
Dann sah er mich direkt an.
„Du hast weitergehört.“
Die Stille zwischen uns wurde weich.
„Außerdem“, fügte er hinzu, „lieben Drachen gute Geschichten.“
Ich musste lachen.
„Und meine war interessant genug?“
Der Drache nickte langsam.
„Oh ja.“
Er sah hinaus in die Nacht.
„Eine Frau, die dachte, sie würde einfach ein paar Seminare besuchen.“
Pause.
„Und dann plötzlich auf Reisen ging, die sie um die halbe Welt führten.“
Er blickte wieder zu mir.
„Zu Klängen, die ihr Herz öffneten.“
„Zu Begegnungen, die älter waren als dieses Leben.“
„Zu Orten, an denen Erinnerungen in den Steinen wohnen.“
Sein Blick wurde warm.
„Und zu der Erkenntnis, dass das Universum viel größer ist, als der Verstand je verstehen kann.“
Ich spürte ein leichtes Ziehen im Herzen.
„Also war das alles… Teil der Geschichte?“
Der Drache lächelte dieses besondere Lächeln, das gleichzeitig verspielt und uralt wirkte.
„Alles ist Teil der Geschichte.“
Dann stand er langsam auf.
Seine Flügel bewegten sich leicht im Abendwind.
„Und jetzt“, sagte er.
„Ist sie noch lange nicht zu Ende.“
Ich sah ihn überrascht an.
„Nicht?“
Er schüttelte den Kopf.
„Die besten Kapitel kommen immer dann, wenn Menschen glauben, das Buch wäre schon geschrieben.“
Er machte ein paar Schritte, als würde er gleich davonfliegen.
Dann drehte er sich noch einmal um.
Sein Blick funkelte.
„Außerdem“, sagte er.
„Du glaubst doch nicht wirklich, dass Drachen nur eine einzige Geschichte begleiten.“
Und mit einem leisen Schimmern im Abendlicht verschwand er.
Aber seine Stimme blieb.
Ganz leise.
Wie ein vertrauter Gedanke, der irgendwo im Herzen weiterlebt.
„Du glaubst immer noch, das sei Zufall, oder?“
Als ich Jahre später wieder auf diese Liste schaute, war kein einziger Wunsch mehr offen. Nicht, weil ich sie verbissen verfolgt hätte. Sondern weil das Leben mich dorthin geführt hatte – oft auf Wegen, die ich nie geplant hätte.